Schon allein der Anflug auf die Nordinsel war einfach phänomenal! Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Da ich bis zu meinem Anschlussflug sechs Stunden Zeit hatte, bin ich einfach mal ohne Ziel drauf losgelaufen und hab ein schönes Plätzchen auf nem Hügel gefunden, wo ich dann erstmal die frische Neuseeland-Luft und die Sonne genossen habe. Hinter mir vergnügten sich ein paar lustige Vögel, die ziemlich komische Laute (irgendwie klang es, als wären Möwen ein bisschen heiser geworden...) von sich gaben. Ein Kiwi meinte später zu mir, dass das wohl Magpies wären und dass die manchmal ziemlich aggressiv werden könnten. Aber bisher wurde ich zum Glück noch nicht angegriffen :) Als ich dann abends in Palmy angekommen bin, hat mich jemand von der Uni abgeholt und ins Backpackers gefahren. Bin nur noch kurz in die Stadt, um mir was zu essen zu kaufen, um dann ganz fix ins Bett zu fallen und zu versuchen, mit Hilfe einer Wärmflasche die 12°C Zimmertemperatur vergessen zu machen. Aber geschlafen hab ich trotzdem wie ein Stein :)
Neben den ganzen Orientierungstagen musst ich mich ja nun noch um ein Dach über dem Kopf kümmern, da ich ja nicht ewig im Backpackers wohnen konnte. Im Vergleich zu Marburg ist die WG-Suche hier eine wirklich recht entspannte Sache. Auswahlverfahren oder ähnliches gibt’s nicht und bei den meisten könnte man auch von jetzt auf gleich einziehen. Doch nachdem ich mehrere Tage zu Fuß durch Palmy gewandert bin (und mittlerweile fast die ganze Stadt kenne), hat es mir dann irgendwann gereicht. Es gab zwar durchaus schöne WGs, jedoch lagen die entweder nicht wirklich zentral (und die Busse fahren wochentags nur bis 7 und am Wochenende nur dreimal am Tag...) oder die Leute war mitunter etwas ominös. Als mir das Residential Office dann gesagt hat, dass sie noch ein Zimmer in einer der Halls hätten, hab ich kurzerhand zugeschlagen. Eigentlich hatte ich dem Wohnheimleben ja Servus gesagt, aber damit war's dann jetzt wohl doch nix. Jedoch bin ich hier sowieso eher in einer Art WG. Teile mir mit fünf anderen Mädels eine Wohnung mit Wohnzimmer, Bad und Küche. Zur einen Seite hin haben wir Blick über den ganzen Campus, zur anderen Seite hin sieht man die Berge mit ganz vielen Schafen davor. Typisch Neuseeland halt... :) Bin also rundum zufrieden, zumal es echt genial ist, erst 10min vor Vorlesungsbeginn aus dem Haus zu gehen, da der Science-Tower quasi gleich um die Ecke ist. Und das Beste: hier gibt es Heizung! Das ist in NZ nicht selbstverständlich und da die Häuser nicht wirklich isoliert sind kann es ohne Heizung mitunter ziemlich frostig werden.
Diesen Montag hat das Semester dann auch offiziell angefangen. Die ersten beiden Tage hatte ich abgesehen vom Umzug und ein paar kleinen Sachen noch nicht wirklich viel zu tun, da meine erste Veranstaltung erst am Mittwoch war. So verbrachte ich die Zeit damit, es mir im Zimmer etwas gemütlicher zu machen, ein paar Sachen zu besorgen und mit Leuten in die Dining Hall zu gehen. Dienstagabend war dann noch Koch-/Spieleabend mit ein paar Amerikanern und einer anderen Deutschen in einer der Atawhai-Flats. Das Atawhai-Village besteht aus lauter kleinen Blockhütten und liegt auf einem Berg am anderen Ende des Campus. Bis dort hoch sind es 168 Stufen – fast genauso viele wie hoch zum CDH. Da ich dort wohl öfters sein werde, werde ich „treppenklettermäßig“ wohl nicht aus der Übung kommen... ;)
Als ich mir vor einiger Zeit meinen Stundenplan für dieses Semester zusammengebastelt habe, musst ich ja schon irgendwie schmunzeln: Ich muss nur genau zweimal pro Woche zur Uni! Mittwoch und Freitag von 9 bis 12. „Faules Ding!“ würden da wohl so manche sagen und auch ich hab mich auf ein ziemlich entspanntes Semester eingestellt... Aber wenn ich das im Moment richtig sehe, wird’s wohl doch nicht soooo locker. Haben nämlich allein in Genetic Analysis schon 7 Paper mitbekommen, die wir bitte bis nächste Woche durcharbeiten sollen. Puh! So richtig haben wir das in Marburg ja bisher noch nie machen müssen; bin also echt gespannt, wie das so klappt.
Außerdem bin ich jetzt Mitglied des „Massey University Alpine Club“ - dem örtlichen Alpenverein sozusagen... :) Das ist quasi der Outdoor-Club der Uni, welcher an fast jedem Wochenende irgendetwas anbietet: Wandern, Skitrips, Klettern, Kanu usw. Mit den Leuten geht es dieses Wochenende schon auf eine Tour in die Tararua Mountain Ranges – doch dazu dann nächste Woche mehr :)
Juliane Neubert
Massey University Halls (Ruahine Flat 2 / Room 9)
Private Bag 11-222
Palmerston North
New Zealand
Euch liebe Grüße vom anderen Ende der Welt,
Jule

1 Kommentar:
julchen, mein herz,
ich freue mich zu hören, dass es dir gutgeht! und ich musste irgendwie ein bisschen schmunzeln, als ich deinen text gelesen habe, weil ich mir so richtig vorstellen konnte, wie du hier im garten im gartenstuhl sitzt, die tasse tee in der hand, und davon berichtest, wie du beim outdoorclub mitglied geworden bist und wo es als nächstes hingeht ;-)
ein bisschen neidisch bin ich auch geworden, als ich von der schönen aussicht und all' dem gelesen habe, aber vor allem, weil die chancen so schlecht stehen, dass ich dich mal besuchen kommen kann! ;) leider ists ja doch ein bisschen weit weg... *seufz*
aber du siehst: ich hab dir doch gesagt, dir wird selbst mit einer 2-tage-uni-woche nicht langweilig werden. wer weiß, was da noch so kommt.
und gut, dass du ne heizung hast! ein bekannter von mir ist auch grad in NZL und hat keine heizung. kann man sich ja fast kaum vorstellen hier...
also, ich hoffe sehr, dass es dir auch weiterhin gutgeht und die ganzen papers und all das nicht zu stressig werden!
ganz liebe grüße aus der heimat,
theres
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