Napier & Mahia Peninsula
Bei schönstem Sonnenschein haben wir vor 2 Wochen unsere Siebensachen ins Auto geladen und sind auf unseren ersten größeren Trip gestartet. Erstes Ziel unserer Reise war Napier – eine der etwas schöneren Städte in Neuseeland. Anfang der 30er Jahre wurde Napier durch ein Erdbeben vollkommen zerstört, so dass die Stadt komplett neu wieder augebaut werden musste. Und da Art Deco zu dieser Zeit gerade groß in Mode war, ist der Stadtkern von Napier von diesem Stil stark geprägt. Irgendwie hatte diese Stadt einen Flair von französischem Seebad – den wir bei schönstem Sonnenwetter ausgiebig genossen haben. Den Rundum-Ausblick vom Bluff Hill haben wir dann noch genutzt, um unserer erstes „Freiluft-Dinner“ zuzubereiten, bevor es dann weiter Richtung Norden ging, um einen Schlafplatz zu suchen. Nach langer Fahrt sind wir also auf einem Rastplatz irgendwo in den Bergen gelandet – dass wir direkt am Tutira Lake gelandet waren, sollten wir erst am nächsten Morgen feststellen... Nachts gab es dann noch einen kleinen Schock, als das Auto auf einmal anfing wie verrückt zu wackeln – ein Mensch konnte es eigentlich nicht gewesen sein und ein Erdbeben hört auch nicht urplötzlich auf, wenn man den Alarm anschaltet. Das wird dann wohl doch ein etwas kuschelbedürftiges Schaf gewesen sein. Nix schlimmes also – aber Angst konnte man da doch bekommen. Am nächsten Morgen wurden wir dann noch von zwei Gänsen belagert, so dass wir das Frühstück nicht auf der Sitzbank, sondern auf dem Tisch sitzend genossen haben. Aber zum Glück sind wir dafür auf dem Rest der Reise von aufdringlichen Tieren verschont worden.
Am zweiten Tag ging es dann auf die Mahia Peninsula - eine Halbinsel, die im Sommer bei den Kiwis als Urlaubsziel hoch im Kurs steht, wo man im Winter aber fast allein ist. Dort gibt es einen wunderschönen Naturpark, den wir zu Fuss erkundet haben. Auf dem Rückweg konnten wir noch einen genialen Sonnenuntergang über dem Pazifik bewundern, bevor es in das Hostel für diese Nacht ging.
Lake Waikareiti Track im Te Urewera Nationalpark
Am nächsten Morgen ging es zeitig los in Richtung Norden, wo wir im Te Urewera Nationalpark zur Sandy Bay Hut am Lake Waikareiti wandern wollten. Die Wanderung um den benachbarten Lake Waikaremoana ist sogar einer der Great Walks – wir haben uns aber erstmal mit dem „kleinen Bruder“ begnügt, was aber mindestens ebenso beeindruckend war. Unser Weg führte durch dichten Regenwald, wobei man ab und an einmalige Ausblicke auf den See hatte. Es gibt da auch mehrere kleine Inseln, auf denen (im Gegensatz zum Rest von NZ) keine neu eingeführten Tiere leben, so dass die Flora und Fauna noch im ursprünglichen Zustand ist und nicht durch Possums und Co. bedroht wird. Während der Wanderung hat es uns mal wieder ordentlich eingeregnet und die Wege waren teilweise so zugewachsen, dass man sie gar nicht mehr als solche erkennen konnte. Was das angeht gibt es wirklich einen riesigen Unterschied ziwschen Deutschland und Neuseeland. Während man uns hier vorher sagte, dass der Weg nur ein kleines bisschen zugewachsen wäre, hätte man in Deutschland wohl eher von „unpassierbar“ geredet... Aber angekommen sind wir trotzdem und was macht man dann bei einem See? Genau – baden gehen! Zwar nur kurz rein und gleich wieder raus, aber das Wasser war wirklich verdammt eisekalt :) Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück und auf einer ziemlichen Schotterstraße in Richtung Norden aus dem Nationalpark raus. Im Te Urewerea Nationalpark findet man das letzte große Stück zusammenhängenden Regenwaldes der Nordinsel, so dass die Fahrt da durch wirklich beeindruckend war.
Wai-O-Tapu & Rotorua
Die Fahrt führte uns zu den Mudpools, bei denen wir ja schon während des Roadtrips vor ein paar Wochen gewesen sind. Zum Einschlafen ist da so ein regelmäßiges „Blubb-blubb-blubb“ echt angenehm, auch wenn man am nächsten Morgen erstmal eine Weile braucht, bis man den Geruch nach faulen Eiern ignorieren kann... Nach einem sehr nebligen Morgen sollte später das beste Sonnen-Foto-Wetter sein, um den Geothermalpark „Waiotapu“ zu besuchen. Da wir in den beiden Tagen zuvor quasi keine Menschenseele getroffen haben, haben wir in Waiotapu, was schon eine ziemliche Touristenattraktion ist, erstmal einen kleinen „Zivilisationsschock“ bekommen. Aber zum Glück hatten es die anderen alle ziemlich eilig, so dass wir den Park mit kochenden Schlammlöchern und zahlreichen bunten Seen mehr oder weniger für uns allein hatten. Abends ging es dann ins nahe Rotorua, wo wir den Tag mit einer warmen Dusche (nach mehreren Tage ohne: DAS Highlight schlechthin...) und einem gemütlichen Abendessen vor dem Hostel-Kamin ausklingen haben lassen. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam mit Manuel, einem anderen Deutschen aus dem Hostel, etwas durch die Stadt gebummelt und haben es uns in den vielen Parks gut gehen lassen.
Otorohanga Kiwi House, Waitomo Caves & Kawhia Beach
Der nächste Tag sollte unser „Touri-Tag“ werden. Gleich morgens ging es in Kiwi-House in Otorohanga, eine Art Vogel-Zoo, wo man unter anderem auch das Nationalsymbol Neuseelands bestaunen konnte: den Kiwi. Für alle, die von den vielen verschieden Kiwis verwirrt sind: es gibt insgesamt 3 „Kiwis“:
kiwi – der Vogel
Kiwi - der/die Neuseeländer/-in
Kiwi – die Frucht
(Der Vogel war zuerst da. Nach ihm wurde die Kiwi(fruit) benannt, da die ja auch so braun und „flauschig“ wie der Vogel ist. Und Neuseeländer wurden Kiwis genannt, da früher auf den Uniformen der Armee der Kiwivogel abgebildet war.)
Kiwis sind inzwischen durch eingeführte Tiere und auch aus anderen Gründen leider so gut wie ausgestorben. Deshalb versucht man, die Kiwieier einzusammeln, zu bebrüten und die Jungvögel von Hand aufzuziehen. Sobald sie groß genug sind, um sich gegen Possums u.ä. wehren zu können, werden sie anschließend wieder ausgesetzt.
Nach dem Kiwi-House ging es in Richtung Waitomo, ein Ort, der für seine zahlreichen Karsthöhlen mit vielen Glühwürmchen berühmt ist. Zuvor haben wir aber erstmal zugeschaut, wie ein Angora-Kaninchen geschoren wird. Diese Viecher haben so dermaßen viel Fell, dass das alle 3 Monate abgeschoren werden muss, damit sich die Tiere überhaupt noch bewegen können. Danach sehen sie aber ziemlich nackig aus... Da Kaninchen im Gegensatz zu Schafen kein Lanolin produzieren, ist das Fell überhaupt nicht fettig und extrem weich und flauschig, so dass daraus gute Schals & Mützen gefertigt werden können. Nach Besichtigung der Waitomo-Caves haben wir noch eine kleine Wanderung gemacht, auf der man auch einen natürlichen Tunnel bestaunen konnte, der entstanden ist, als ein Teil einer solchen Karsthöhle eingestürzt ist.
Unser nächstes Ziel sollte der Kawhia-Beach sein. Das ist ein so genannter Hot Water Beach – man kann sich also bei Ebbe im Strand an bestimmten Stellen ein Loch buddeln, wo dann heißes Wasser rauskommt und man es sich so schön gemütlich machen kann. Leider haben wir es zeitlich nicht wirklich gut abgepasst, da abends Flut sein sollte. Deswegen haben wir kurzerhand auf einem Parkplatz auf dem Weg nach Kawhia Halt gemacht und dort unser Lager aufgeschlagen. Dort gab es dann einen der schönsten Sonnenuntergänge überhaupt zu bewundern. Da wir uns nicht wirklich überwinden konnten mitten in der Nacht aufzustehen, nur um die Ebbe abzupassen, kamen wir also auch am nächsten Morgen nicht in den Genuss eines warmen Bades. Doch trotzdem haben wir es uns mit einem späten Frühstück (mit ordentlich schwarzem Sand in der Margarine...) und einem Strandspaziergang samt Muschelnsammeln richtig gut gehen lassen. Im Gegensatz zu Ostküste war das Wasser hier schon recht warm und ich freue mich schon jetzt auf den Sommer, wenn man dann auch mal richtig (und nicht nur für 1 Minute) baden gehen kann.
Egmont Nationalpark
Das letzte größere Ziel unserer Reise war der Egmont Nationalpark mit dem mächtigen Vulkan Mt. Taranaki, der über dem flachen Land drumherum thront, aber meistens von Wolken eingehüllt und so eher selten richtig sichtbar ist. Einer Maori-Legende nach stand Taranki einst genau wie Mt. Ruapehu und Mt. Ngauruhoe im Zentrum der Nordinsel. Ganz in der Nähe war „die“ dicht bewaldete Mt. Pihanga, in die die 3 anderen Berge schwer verliebt waren. Eines Tages wagte es Taranaki sich an Pihanga ranzumachen. Da war Ruapehu natürlich schwer eifersüchtig, so dass es zu einem Zweikampf kam, den Taranaki verlor. Voller Trauer über die verlorene Liebe zog er von dannen und ließ sich im Westen nieder, wo er heute fernab von den anderen Vulkanen steht. Eigentlich hätte ich gerne den Pouakai Circuit gemacht, aber da die Leute vom DoC meinten, dass der Weg wohl teilweise noch eisig wäre, haben wir das gelassen und haben den um einiges kürzeren Mangorei Track in Angriff genommen. Gestartet bei schönstem Sonnenschein sollten wir schon bald auf „Wolkenhöhe“ gelangen und auch die Hütte war komplett von Wolken eingehüllt. Nach einem kurzen Lunch wollten wir uns gerade auf den Weg zum Pouakai Summit machen, als wir einen Hubschrauber gehört haben. Der Platz, von dem ich vorher noch dachte, dass man da im Sommer bestimmt super zelten könnte, war also in Wirklichkeit ein Hubschrauberlandeplatz. Also fix ins Gebüsch gehüpft, um nicht vom am Hubschrauber baumelnden Wassertank erschlagen zu werden und abgewartet bis er gelandet war, um dann zur etwas sicheren Hütte zu flüchten. Bei einem solchen Wind, den der Hubschrauber gemacht hat, musste man sich wirklich gut festhalten, um stehen zu bleiben! Die Jungs vom DoC waren gekommen, um eben diesen neuen Wassertank zu installieren und die Hütte wieder etwas auf Vordermann zu bringen (und uns abends das Holz für ein schönes Feuer klein zu hacken...). Der Pouakai-Summit selber war absolut phantastisch: im einen Moment war man noch eingehüllt in Wolken und fünf Sekunden später konnte man bis zum Meer schauen – so stark hat der Wind geblasen. Zurück an der Hütte waren die Wolken dann auf einmal alle weg, so dass man abends beim Zähneputzen inmitten eines einmaligen Bergpanoramas stand und über einem ein gewaltiger Sternenhimmel und die Milchstraße funkelte. Einfach unbeschreiblich!
Black Beach bei Hawera & Wanganui
Unsere Reise ging nun langsam aber sich zu Ende. Nach der Wanderung zurück vom Berg ging es über eine kleine Stadt, in der wir uns erstmal (nach Tagen nur mit Spaghetti, Tee und Schokolade) ganz dekadent in einem Café einen Kaffee gegönnt haben, an einen Strand in der Nähe von Hawera. Dort gab es geniale versteinerte Muscheln, die wir natürlich erstmal einsammeln mussten. Am nächsten Morgen hatten wir ganz unerwartet Blick auf den nicht-wolkenumhüllten Taranaki, so dass wir am liebsten gleich noch mal dorthin gewandert wären. Doch das wird später nochmal nachgeholt. Für uns hieß das nächste Ziel Wanganui, wo mich Barbara aus dem Perlenladen, den wir zufällig entdeckt haben, kaum noch rausbekommen hat. Da werden wohl so einige Ohrringe als „Spätfolge“ übrig bleiben... :)
Mit dem Sonnenuntergang im Rückspiegel nahmen wir Fahrt in Richtung Palmerston North, wo man über den Ruahines und Tararuas schon wieder die Wolken thronen sah. Eigentlich hatten wir ja noch genug Benzin im Tank – "Wollen wir nicht einfach weiter nach Wellington fahren?"
Die nächste Reise wird garantiert nicht allzu lange auf sich warten lassen.
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