Queen Charlotte Track
Mein erstes Ziel auf der Suedinsel war der Queen Charlotte Track. Insgesamt 70km in 4 Tagen inmitten der genialen Landschaft der Malborough Sounds im Nordosten der Suedinsel. Man wurde mit dem Boot zum Beginn des Tracks gefahren (das war an sich schon ein Erlebnis fuer sich!) und hatte dann den Luxus des taeglichen Pack-Transportes von Zeltplatz zu Zeltplatz. Da ich sonst alleine das ganze schwere Zelt haette mitschleppen muessen, war es wirklich angenehm, doch nur mit Daypack zu wandern. Auf dem Boot habe ich dann noch ganz zufaellig Nienke, eine Freundin aus Palmy, und ihre Reisetruppe getroffen - die Welt ist eben doch ein Dorf! Der Weg an sich war einfach nur atemberaubend, da man staendig Ausblick auf die umgebenden Sounds hatte. Gerade am Abend des ersten Tages, als man sich dem Endeavour Inlet genaehert hat und Blick auf den Farbverlauf des Meeres hatte (von rot zu tiefblau, fand ich es einfach klasse. Dummerweise musste ich am naechsten Tag feststellen, dass sich (aus welchen Gruenden auch immer...) die SD-Karte in meiner Kamera in ihre Einzelteile aufgeloest hatte und somit die Bilder von 3 Tagen verloren gegangen sind. Am Abend des zweiten Tages hab ich mehrere Stunden in der Abendsonne auf dem Bootssteg gelegen, dem Wellenrauschen gelauscht und den Wolken beim Ziehen zugeschaut. Das nenn ich mal entspannend :) Der dritte Tag war der atemberaubenste, da man entlang der Ridge gewandert ist und Ausblick sowohl auf den Queen Charlotte Sound, als auch den Pelorus Sound hatte. Am Morgen des vierten Tages sollte es regnen wie verrueckt, aber das sollte mich nicht davon abhalten, in meine Boots zu steigen und mich auf den Weg zu machen. Viele andere Wanderer haben es vorgezogen mit dem Boot wieder zurueck nach Picton gebracht zu werden, so dass ich den Track an diesem Tag ganz fuer mich alleine hatte. Einfach genial, ganz alleine durch den Matsch zu huepfen und die Wolken zu betrachten, die durch die Taeler zogen. Alles in allem waren es 4 wunderschoene Tage mit netten Wanderbekannschaften und tollen Ausblicken.
Bonecarving, Golden Bay und Abel Tasman NP
Von Picton aus ging es dann nach Nelson, wo ich mich mit Julia und Ajit getroffen habe, die erst etwas spaeter auf die Suedinsel uebergesetzt sind. Zusammen haben wir dann einen Bonecarving-Kurs gemacht, was ich mir schon lange vorgenommen hatte. Grundmaterial fuer solche Carvings sind Beef-Oberschenkelknochen-Stuecke, auf die man sein Motiv aufzeichnet und dann mit Laubsaegen und Feilen der Sache Form gibt. Schon erstaunlich, was man da innerhalb kuerzester Zeit machen kann! Hatte mir jedenfalls jede Menge Spass gemacht und ich haette nichts dagegen, sowas nochmal zu machen. Verdammtes Kreativ-Fieber...;)!
Naechstes Ziel war die schoene Golden Bay im Nordwesten der Suedinsel. Auf Empfehlung eines Freundes bin ich zum Whiriaki Beach gefahren, wo man sogar Seals beobachten konnte, die es sich am Strand haben gut gehen lassen. Weihnachten selber sind wir dann ganz spontan in den Abel Tasman NP hineingewandert und haben am Strand von Mutton Cove unser Lager aufgeschlagen. Bei leichtem Nieselregen haben wir unter einem tollen knorrigen Baum Schutz gesucht und unser Weihnachtsessen gekocht (klassisches Trampingdinner: Couscous mit Tuna, aber zur Feier des Tages sogar MIT frischem Gemuese... :) ). Waehrend dieses Abends haben wir sogar einen Regenbogen ueber dem Meer gesehen!
Arthur's Pass und Westcoast
Doerthe hatte die Weihnachtszeit bei ihrer ehemaligen Gastfamilie in Christchurch verbracht und am 28.12. haben wir uns dann im Arthur's Pass NP wiedergetroffen. Dort wollten wir zu viert den Casey-Binser-Saddle-Track machen. Ein eher unaufregender (wo waren denn die ganzen steilen Abschnitte und Rivercrossings...? ;) ), aber trotzdem schoener Tramp bei bestem Sonnenschein. Am zweiten Tag haben wir am Wegesrand den Oberschenkelknochen einer (ehemals) gluecklichen Kiwi-Kuh gefunden. Wenn er denn nicht so schwer gewesen waere, haetten wir den wohl gleich fuer die naechsten Bonecarvings mitgenommen... ;)
Bis Silvester wollte wir in Te Anau sein, so dass wir erstmal zwei entspannte Fahrtage eingelegt haben und entlang der Westcoast, ueber den Haast Pass und durch die einmalige Landschaft um Wanaka und Queenstown in Richtung Sueden gefahren sind. Auf dem Weg haben wir einige Gegenden gesehen, die wir auf jeden Fall spaeter nochmal etwas genauer erkunden wollen...
Fiordland: Kepler Track, Milford Sound, Lake Manapouri
In Te Anau haben wir dann Dave, einen MUAC-Kollegen, getroffen und zu fuenft Silvester verbracht. Da der Verkauf von Raketen an Privatpersonen in NZ untersagt ist war es erstaunlich ruhig, aber so konnte man das oeffentliche Feuerwerk ueber Lake Te Anau umso mehr geniessen. Haben noch ein bisschen zur Liveband im Park getanzt (ab und an brauch man halt doch mal ein bisschen Zivilisation...) und sind dann todmuede zum ersten Mal im neuen Jahr auf unsere Matten gefallen.
Schon im September hatten wir den Kepler Track gebucht und am 2.1. sollte es nach langem Warten endlich soweit sein. Im Fiordland gelegen ist der Track beruehmt-beruechtigt fuer sintflutartige Regenfaelle und das Wetter sollte uns was das angeht nicht enttaeuschen... Bis auf die Haut durchnaesst sind wir am ersten Abend in der Luxmore Hut angekommen und ich hab dann erstmal 2h vor dem Ofen verbracht, um meine Sachen zumindest ein bisschen zu trocknen. Hatte fast was meditatives wie wir da zu sechst um das gute Ding standen und den Raum mit diversen Dueften (Socken haben ein tolles Aroma!) bereicherten... :) Gegend Abend sollte der Regen aber aufgehoert haben und nach und nach konnte man immer mehr von Lake Te Anau und den Murchison Mountains sehen. Einfach absolut unbeschreiblich! Der zweite Tag war der einzige alpine Tag des Tracks. Man ist fast die ganze Zeit auf dem Ridge entlanggewandert und konnte (in gewissen Momenten, wo zauberhafterweise auf einmal die Wolken verschwanden) einen phaenomenalen Blick in die benachbarten Taeler geniessen. Zwischendurch hatten wir auch mal ein bisschen Schneesturm, was schon genial war! Ist nicht eigentlich gerade Sommer in NZ? So bin auch ich zu meinem Januar-Schnee gekommen... :) Die letzten beide Tage war man eigentlich fast die ganze Zeit im beech forest, was mal wieder was anderes war. Aber nach 2 Tagen hatte man da auch genug davon...
Fuer den Tag nach dem Kepler Track hatte ich mir eine Fahrt zum Milford Sound gebucht. Mit dem Bus ging es zum Sound, dort folgte dann eine 2,5h Bootsfahrt und dann ging es wieder zurueck. Es regnete ohne Unterlass (Fiordland, was will man erwarten...) und aus diesem Grund gab es tausendundeinen Wasserfall. Ueberall flossen sie herunter - in einem solchen Ausmass hatte ich das zuvor noch nie gesehen! Vom Fjord selber hatte man deswegen nicht so wirklich viel gesehen, aber allein die Wasserfaelle waren die Fahrt wert. Abends sind Doerthe und ich dann zu einer kleinen Backcountry-Hut gefahren, die einfach toll war: eine kleine 6bunk hut mit offener Feuerstelle und sogar einem Spiegel und Keramiktellern: so einen Luxus kennt man sonst nicht. Und das ganz alleine fuer uns!
Wir wollten von Fiorland noch ein bisschen mehr sehen und haben deshalb noch einen 2-Tagestramp am Lake Manapouri gemacht. Sehr abwechslungsreich, auch wenn uns nachts die Sandflies das Leben zur Hoelle gemacht haben und Doerthe morgens dank eines Stiches am Auge aussah, als haette sie von mir eine Tracht Pruegel bekommen... ;) Ueber Nacht hatte es ziemlich geregnet, so dass der Weg, den man gestern noch mit Hilfe diverser Baumstaemme und Wurzeln halbwegs "unmatschig" ueberstanden hat, sich in einen einzigen See verwandelt hatte. An vollkommen durchnaesste Boots hatte ich mich eigentlich mittlerweile gewoehnt, aber nach der Schlammschlacht hatte ich erstmal genug vom Matsch...
Deswegen hab ich mir jetzt auch erstmal fuer 3 Tage eine Wanderpause genommen und bin nach Dunedin gefahren, waehrend sich Doerthe auf Stewart Island rumtreibt. Auf dem Hinweg hierher war es noch etwas aufregend, weil mein Auto nach und nach immer mehr vibrierte und ich (lebhafte Phantasie sei Dank...) mich schon bei stroemendem Regen gegen den naechsten Baum fahren sah. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber wenn das Auto mitten auf der Kreuzung nicht mehr weiter will, ist das nicht soooo viel angenehmer... Zum Glueck war der AA (=NZ ADAC) nur 50m entfernt, so das Hilfe schnell geholt war. Die Leute vom AA kennen mich mittlerweile auch schon bestens... :)
Euch allen liebe Gruesse,
Julchen
Edit (6h spaeter): hab ich vorhin geschrieben, dass mich die Leute vom AA mittlerweile kennen? Jetzt kennen sie mich noch ein bisschen besser...! Wollte das schoene Abendwetter nutzen und bin zu einem Lookout mit Blick ueber ganz Dunedin gefahren. Kaum angehalten, qualmte es auf einmal aus dem Motorraum. Mit meinem "Kennerblick" (ich lerne mit jedem Problemchen der guten Karre dazu...) kurz reingeschaut und ein Loch in einem Schlauch gesehen. Naja, AA angerufen und die Wartezeit zusammen mit 2 Kiwi-Opas verbracht, die gerade auf Spaziergang waren. Haben gemeinsam ein bisschen auf Subarus geflucht (NIE, NIE, NIE wieder...!) und sie haben mir noch ein paar Geheimtipps fuer die Umgebung verraten. Kann ich auch gut gebrauchen, denn die Werkstatt, vor der die Karre zusammen mit 4 weiteren Leidensgenossen wartet, macht naemlich erst Montag morgen wieder auf... Wie gut, dass ich mir auch diverse Museen nicht schon heute angeschaut habe. Dann hab ich morgen wenigstens was zu tun. Arrgh...! Aber naja, Augen zu und durch. Immerhin ist er diesmal nicht auf ner Kreuzung, sondern an einem schoenen Lookout, bei tollem Wetter UND mit netter Gesellschaft stehen geblieben. Ich steigere mich... :)
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1 Kommentar:
sag mal - ich bräuchte die hilfe von jemandem, der gerade in neuseeland ist. ich habe noch mein rad drüben stehen und es ist an und für sich verdammt teuer, das wieder zurück zu schicken. allerdings ist es recht günstig, das als extra fluggepäck aufzugeben (ging bei mir damals leider nicht wegen reiseroute und billigticket), selbstverständlich würde ich das bezahlen und und noch einen großzügigen obolus springen lassen.
wenn du irgendwie denkst, dass du das machen könntest, würde ich mich freuen, wenn du dich einfach mal kurz bei mir meldest, da würde ich das dann in ruhe erklären:
despo.on.tour[at]gmail.com
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