Montag, 23. Februar 2009

Berge ohne Ende

Mt. Roy



Die erste Woche allein unterwegs sollte ein absolutes Highlight meiner Reise werden. Nachdem Dörthe abgefahren war, habe ich mich auf den Weg nach Wanaka gemacht, wo ich mir nach der Marathon-Tramping-Woche erstmal einen faulen Tag gegönnt habe. Der Sommer hatte so richtig zugeschlagen und bei unbarmherziger Hitze war ich zu nichts anderem fähig als mit einem guten Buch faul am Lake Wanaka zu liegen und abends nochmal schön schwimmen zu gehen. Aber schon am nächsten Tag ging es wieder weiter: Mt. Roy stand auf dem Programm. Der Weg zum Gipfel führte zick-zack-mäßig über Schafweiden nach oben, so dass man während des gesamten Aufstieges den Blick über Lake Wanaka geniessen konnte – der nach und nach immer toller wurde. Von ganz oben hatte man letztendlich einen 360° Rundblick über den gesamten See und die Berge des Aspiring Nationalparkes. Wirklich atemberaubend!

Brewster Hut und Mt. Armstrong


Auf dem Greenstone-Caples Track hatte uns ein Mit-Tramper Fotos von der Brewster Hut gezeigt und als ich die gesehen habe wusste ich sofort: Da muss ich hin! Gesagt, getan. Morgens hab ich noch mein Auto in die Werkstatt geschafft, da es zur WOF (=TÜV) Untersuchung musste und bin dann mit dem Bus in Richtung Fantail Falls am Haast Pass Highway, von wo der Weg aus zur Brewster Hut ging. Und zwar steil nach oben. So um die 1000 Höhenmeter durch dichten Wald über tausendundeine Wurzel mussten bezwungen werden – aber der tolle Ausblick von oben war das mehr als wert. Von der Hütte aus konnte man schon den Brewster Gletscher sehen, zu dem man auch hätte hinwandern können. Ich aber hab mich für den Aufstieg des Mt. Armstrong (2174m) entschieden. Es ging also nochmal so um die 400m nach oben. Die Hütte wurde immer kleiner und der Blick immer genialer. In Worten kann man das immer nicht so wirklich beschreiben. Aber so ganz weit oben zu stehen und den Blick schweifen zu lassen – es gibt nichts schöneres! Oben angekommen kamen dann aber recht fix Wolken auf und Mt. Brewster konnte man schon bald gar nicht mehr sehen, weshalb ich mich dann so schnell wie möglich auf den Weg nach unten gemacht habe. Hatte auf dem Weg nach oben die Rock Cairns irgendwie aus dem Blick verloren und hatte nicht unbedingt vor, den Weg zurück im Nebel zu suchen... Hat aber zum Glück alles geklappt, so dass ich dann noch einen fabelhaften Sonnenuntergang über den Bergen geniessen konnte. Am nächsten Tag wieder ganz unten angekommen haben meine Knie nach den mehr als 2000 Höhenmetern innerhalb von 2 Tagen doch etwas gestreikt, aber was solls – da mussten sie einfach durch... :)

Mt. Cook, Mt. John, Mt. Somers


Entgegen aller Erwartungen hat mein Auto ohne Probleme seinen neuen WOF bekommen, so dass der direkten Fahrt in Richtung Mt. Cook nichts mehr im Wege stand. Während des ersten Tages dort hielt sich der höchste Berg Neuseelands dank ziemlichen Mistwetters noch versteckt, doch nach einer ziemlich stürmischen Nacht, in der ich mich schon ängstlich gefragt habe, warum ich denn mein Zelt unbedingt unter einem Baum aufschlagen musste, waren die Wolken am nächsten Morgen wie fortgeblasen und man hatte freien Blick auf den beeindruckenden Aoraki/Mt. Cook. Jetzt hieß es aber langsam aber sicher Abschied nehmen von den Southern Alps. Vom Mt. John am Lake Tekapo hatte man nochmal einen tollen Blick auf die Alpen (und nachts wohl auch auf den klarsten Sternenhimmel NZ's) und dann machte ich mich langsam aber sicher auf den Weg in das flache Canterbury. Zuvor aber hab ich noch einen Daytrip bei Mt. Sommers gemacht. Eigentlich hatte ich mir dort einen Zweitagescircuit vorgenommen, aber so langsam ging die Reisezeit zu Ende und man musste anfangen zu planen, damit man noch alles geschafft hat, was man sich vorgenommen hatte.

Packhorse Hut

Im krassen Gegensatz zu den vergangen Wochen stand dann meine Wanderung zur Packhorse Hut bei Mt. Herbert und Mt. Bradley auf der Banks Peninsula in der Nähe von Christchurch. Die Gegend ist nahezu unbewaldet und durch die Hitze und Trockenheit des Sommers war alles total ausgetrocknet und am Wegesrand sah man so einige Schaf- und Kuhkadaver liegen. Der Blick über Lyttleton Harbour, die Port Hills und die Canterbury Plains war trotzdem klasse. Nachdem man Mt. Herbert bestiegen hatte, führte der Weg an der Seite von Mt. Bradley entlang zur Packhorse Hut. Dort habe ich zwischendurch mehr als einmal bezweifelt, dass der der richtige Weg gewesen ist, denn der superschmale Weg führte über eine Stunde lang quer durch Gestrüpp. Welches mit seinen verdammt dornigen Zweigen den kompletten Weg mannshoch überwuchert hat... Trotz langer Hosen waren meine Beine danach total zerkratzt und teilweise blutig. Und am nächsten Tag musste ich den selben Weg wieder zurück – da hab ich mich aber drauf gefreut! Zuerst sollte ich aber die Nacht in der historischen Packhorse Hut verbringen; einer gemütlichen Tramperhütte ganz aus Stein, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. In Anbetracht der Tatsache, dass Häuser hier selten älter als 30 Jahre sind, ist die also wirklich 'alt' gewesen...



Christchurch

Zurück von der Wanderung ging es für einen Tag nach Christchurch, wo ich noch so ein paar organisatorische Sachen für die Uni klären musste und einfach mal wieder etwas Stadtluft geschnuppert habe. Allerdings hatte ich mir die Stadt irgendwie anders vorgestellt; irgendwie war ChCh insgesamt nicht so mein Fall. Danach habe ich mich für einen Tag mit drei Freunden aus Palmy getroffen, die für ein langes Kletterwochenende auf die Südinsel geflogen sind. Mit ihnen ging es dann in die Port Hills, wo ich dann zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder am Fels war. Von unten sahen die Klettertouren gar nicht mal so schwer aus, doch als es dann ans Eingemachte ging, sah das dann schon wieder anders aus... Hab mich mitunter doch wie so ein Sack Kartoffeln gefühlt und am nächsten Tag sollte ich vor lauter Muskelkater kaum in der Lage sein, meine Wasserflasche zu öffnen. Hat aber trotz allem eine Menge Spaß gemacht, auch wenn ich das nächste Mal lieber erstmal mit den etwas einfacheren Sachen anfangen werde... :)

1 Kommentar:

thg hat gesagt…

hach... ich werd' immer ganz neidisch und reiselustig, wenn ich das lese! ;-)
schön, dass es dir gut geht und du so viel erlebst, julchen! :-) denk ganz fest an dich! :-)