Sonntag, 28. September 2008

Frühling!

Langsam aber sicher haben wir hier Frühling: überall blühen die Kirschbäume und so langsam kann man die Winterjacke zumindest ab und an mal im Schrank lassen. Den ersten Sonnenbrand habe ich mir auch schon geholt – der Sommer kann also kommen :)

Am vergangenen Wochenende ging es mit einer ziemlich großen Mädelstruppe zum Manawatu-Gorge. Durch die dortige Schlucht führt auch ein Wanderweg, welcher quasi das Highlight der Region ist. Im Vergleich zu den bisherigen Wanderungen eher unaufregend – aber war trotzdem ein schöner Tag mit ein paar neuen Gesichtern.



Heut ging es dann an die Ostküste nach Castlepoint. Das ist ein kleines Nest irgendwo im Nirgendwo, wo es zum einen einen Leuchtturm und zum anderen den 170m hohen Castle Rock gibt, der von unten so steil aussieht, dass man denkt, man würde beim Hochklettern runter fallen. Auf dem Weg dahin gab es noch einen kleinen Seehund zu sehen. Alles in allem war es ein wunderbar entspannter Tag mit Lunch im Wind und Muscheln sammeln am Strand, der mal wieder dringend nötig war. Im Moment weiß ich, was Uni angeht, nicht mehr wo vorne und wo hinten ist und der Gedanke an die nächsten Tagen mit nix als Paper lesen macht es nicht wirklich viel besser. Aber mit der heute getankten Sonne übersteh ich hoffentlich die vielen Stunden im dunklen Kämmerlein...



Highlight der Woche: gemütliches Abendessen mit Julia mit RICHTIGEM Brot (so mit ordentlicher Kruste, Körnern und dunkler Farbe...) mit Butter und Salami drauf. Nach fast drei Monaten nur mit labberigem Toastbrot und ohne ordentlichem Belag DER Genuss schlechthin...

Ab heute ist bei uns nun Sommerzeit: Jetzt sind es also 11 Stunden Zeitdifferenz. (wenn es in Deutschland 10 Uhr ist, isses bei mir also 21 Uhr)

Mittwoch, 17. September 2008

Wellington

Nach den ganzen Ausflügen in die „Wildnis“ (und geben wir es doch zu: das ist ja der eigentliche Sinn und Zweck einer Neuseelandreise...) ging es letztes Wochenende auch mal in die Hauptstadt – nach Wellington! Und irgendwie hab ich mich ein bisschen in diese Stadt verliebt: das Flair ist einfach nur unbeschreiblich! Eine quirlige moderne Stadt, die aber trotz allem noch ihr eigenes Ding bewahrt hat.



Da Barbara und Dörthe von ihrem Wohnheim aus so eine Art Wettkampf in Wellington hatten, konnte ich mit den Leuten mitfahren und bin dann den Samstag allein durch die Stadt gebummelt.
Hab die vollkommen gegensätzlichen Gegenden von Lombart Quay und Cuba Street erkundet, hab die warme Mittagssonne am Hafen genossen und dabei Segelboote beobachtet und bin dann noch auf den Mt. Victoria gekraxelt, von dem man einen kompletten Rundumblick über die Stadt und die tausenden umliegenden Buchten hatte. Abends ging es dann mit den anderen in einen Irish Pub. Da war dann das Tri Nations-Finale im Rugby der All Blacks (NZ) gegen die Wallabies (AUS) erstmal Pflicht. Für mich sieht der Lieblingssport der Kiwis immer noch so ein bisschen aus wie American Football, auch wenn von den Kiwis diesbezügliche Ähnlichkeiten vehement abgestritten werden. Aber egal: Für großgewordene Jungs, die sich noch immer gerne an frühere Schulhofprügeleien erinnern, geht bei dem Sport wohl ein Traum in Erfüllung... Besonderen Spaß macht es dabei, sich den Haka, einen traditionellen Kriegstanz, vor Beginn eines jeden Spiels anzuschauen . Nach dem Spiel spielte dann noch eine echt gute Liveband, so dass wir das erste Mal seit langem wieder ordentlich feiern konnten.

Nach einer eher kurzen Nacht war dann erstmal ein bisschen Kultur angesagt: Te Papa! Das ist das recht berühmte Nationalmuseum von Neuseeland, welches nicht umsonst so gerühmt wird. Hier kann man quasi alles bestaunen, was irgendwie mit den beiden Inseln zu tun hat. Angefangen von Flora und Fauna, über die Maori-Kultur bis hin zu Erdbeben&Vulkanen. Wahnsinnig interessant und an einem Tag absolut nicht zu schaffen. Nach gemütlichem Sonnen-Hafen-Lunch ging es noch mal quer durch die Stadt zum berühmten Cable Car. Das ist im Prinzip eine ähnliche Standseilbahn wie die in Dresden, nur eben in rot. Von der Gipfelstation hatte man den typischen Wellington-Postkartenblick, den wohl jeder kennt. Bei genialem Frühlingswetter ging es dann durch den Botanischen Garten vorbei an blühenden Bäumen zurück zum Bus.



Noch eine kleine Anmerkung zum Midsemester-Break-Post: Das kuschelnde Schaf war doch keins. Geschwankt hat unser Auto nämlich doch wegen eines Erdbebens - der Stärke 5,9 :)

Montag, 8. September 2008

Zähneputzen vorm Bergpanorama unterm Sternenhimmel - was gibt es schöneres?

Nach einer phantastischen Reise durch den mittleren Teil der Nordinsel bin ich jetzt wieder im guten alten Palmerston angekommen – und ich muss sagen: Neuseeland ist ganz eindeutig das schönste Land der Welt! Undurchdringlicher Regenwald, heiße Seen, schwarze Strände und windige Berge – jeden Tag gab es neue geniale Sachen zu entdecken und schon jetzt zieht es mich eigentlich wieder raus in die Natur. Aber die nächsten Ferien kommen ja bald...


Napier & Mahia Peninsula

Bei schönstem Sonnenschein haben wir vor 2 Wochen unsere Siebensachen ins Auto geladen und sind auf unseren ersten größeren Trip gestartet. Erstes Ziel unserer Reise war Napier – eine der etwas schöneren Städte in Neuseeland. Anfang der 30er Jahre wurde Napier durch ein Erdbeben vollkommen zerstört, so dass die Stadt komplett neu wieder augebaut werden musste. Und da Art Deco zu dieser Zeit gerade groß in Mode war, ist der Stadtkern von Napier von diesem Stil stark geprägt. Irgendwie hatte diese Stadt einen Flair von französischem Seebad – den wir bei schönstem Sonnenwetter ausgiebig genossen haben. Den Rundum-Ausblick vom Bluff Hill haben wir dann noch genutzt, um unserer erstes „Freiluft-Dinner“ zuzubereiten, bevor es dann weiter Richtung Norden ging, um einen Schlafplatz zu suchen. Nach langer Fahrt sind wir also auf einem Rastplatz irgendwo in den Bergen gelandet – dass wir direkt am Tutira Lake gelandet waren, sollten wir erst am nächsten Morgen feststellen... Nachts gab es dann noch einen kleinen Schock, als das Auto auf einmal anfing wie verrückt zu wackeln – ein Mensch konnte es eigentlich nicht gewesen sein und ein Erdbeben hört auch nicht urplötzlich auf, wenn man den Alarm anschaltet. Das wird dann wohl doch ein etwas kuschelbedürftiges Schaf gewesen sein. Nix schlimmes also – aber Angst konnte man da doch bekommen. Am nächsten Morgen wurden wir dann noch von zwei Gänsen belagert, so dass wir das Frühstück nicht auf der Sitzbank, sondern auf dem Tisch sitzend genossen haben. Aber zum Glück sind wir dafür auf dem Rest der Reise von aufdringlichen Tieren verschont worden.

Am zweiten Tag ging es dann auf die Mahia Peninsula - eine Halbinsel, die im Sommer bei den Kiwis als Urlaubsziel hoch im Kurs steht, wo man im Winter aber fast allein ist. Dort gibt es einen wunderschönen Naturpark, den wir zu Fuss erkundet haben. Auf dem Rückweg konnten wir noch einen genialen Sonnenuntergang über dem Pazifik bewundern, bevor es in das Hostel für diese Nacht ging.






Lake Waikareiti Track im Te Urewera Nationalpark


Am nächsten Morgen ging es zeitig los in Richtung Norden, wo wir im Te Urewera Nationalpark zur Sandy Bay Hut am Lake Waikareiti wandern wollten. Die Wanderung um den benachbarten Lake Waikaremoana ist sogar einer der Great Walks – wir haben uns aber erstmal mit dem „kleinen Bruder“ begnügt, was aber mindestens ebenso beeindruckend war. Unser Weg führte durch dichten Regenwald, wobei man ab und an einmalige Ausblicke auf den See hatte. Es gibt da auch mehrere kleine Inseln, auf denen (im Gegensatz zum Rest von NZ) keine neu eingeführten Tiere leben, so dass die Flora und Fauna noch im ursprünglichen Zustand ist und nicht durch Possums und Co. bedroht wird. Während der Wanderung hat es uns mal wieder ordentlich eingeregnet und die Wege waren teilweise so zugewachsen, dass man sie gar nicht mehr als solche erkennen konnte. Was das angeht gibt es wirklich einen riesigen Unterschied ziwschen Deutschland und Neuseeland. Während man uns hier vorher sagte, dass der Weg nur ein kleines bisschen zugewachsen wäre, hätte man in Deutschland wohl eher von „unpassierbar“ geredet... Aber angekommen sind wir trotzdem und was macht man dann bei einem See? Genau – baden gehen! Zwar nur kurz rein und gleich wieder raus, aber das Wasser war wirklich verdammt eisekalt :) Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück und auf einer ziemlichen Schotterstraße in Richtung Norden aus dem Nationalpark raus. Im Te Urewerea Nationalpark findet man das letzte große Stück zusammenhängenden Regenwaldes der Nordinsel, so dass die Fahrt da durch wirklich beeindruckend war.


Wai-O-Tapu & Rotorua

Die Fahrt führte uns zu den Mudpools, bei denen wir ja schon während des Roadtrips vor ein paar Wochen gewesen sind. Zum Einschlafen ist da so ein regelmäßiges „Blubb-blubb-blubb“ echt angenehm, auch wenn man am nächsten Morgen erstmal eine Weile braucht, bis man den Geruch nach faulen Eiern ignorieren kann... Nach einem sehr nebligen Morgen sollte später das beste Sonnen-Foto-Wetter sein, um den Geothermalpark „Waiotapu“ zu besuchen. Da wir in den beiden Tagen zuvor quasi keine Menschenseele getroffen haben, haben wir in Waiotapu, was schon eine ziemliche Touristenattraktion ist, erstmal einen kleinen „Zivilisationsschock“ bekommen. Aber zum Glück hatten es die anderen alle ziemlich eilig, so dass wir den Park mit kochenden Schlammlöchern und zahlreichen bunten Seen mehr oder weniger für uns allein hatten. Abends ging es dann ins nahe Rotorua, wo wir den Tag mit einer warmen Dusche (nach mehreren Tage ohne: DAS Highlight schlechthin...) und einem gemütlichen Abendessen vor dem Hostel-Kamin ausklingen haben lassen. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam mit Manuel, einem anderen Deutschen aus dem Hostel, etwas durch die Stadt gebummelt und haben es uns in den vielen Parks gut gehen lassen.


Otorohanga Kiwi House, Waitomo Caves & Kawhia Beach

Der nächste Tag sollte unser „Touri-Tag“ werden. Gleich morgens ging es in Kiwi-House in Otorohanga, eine Art Vogel-Zoo, wo man unter anderem auch das Nationalsymbol Neuseelands bestaunen konnte: den Kiwi. Für alle, die von den vielen verschieden Kiwis verwirrt sind: es gibt insgesamt 3 „Kiwis“:

kiwi – der Vogel
Kiwi - der/die Neuseeländer/-in
Kiwi – die Frucht

(Der Vogel war zuerst da. Nach ihm wurde die Kiwi(fruit) benannt, da die ja auch so braun und „flauschig“ wie der Vogel ist. Und Neuseeländer wurden Kiwis genannt, da früher auf den Uniformen der Armee der Kiwivogel abgebildet war.)

Kiwis sind inzwischen durch eingeführte Tiere und auch aus anderen Gründen leider so gut wie ausgestorben. Deshalb versucht man, die Kiwieier einzusammeln, zu bebrüten und die Jungvögel von Hand aufzuziehen. Sobald sie groß genug sind, um sich gegen Possums u.ä. wehren zu können, werden sie anschließend wieder ausgesetzt.

Nach dem Kiwi-House ging es in Richtung Waitomo, ein Ort, der für seine zahlreichen Karsthöhlen mit vielen Glühwürmchen berühmt ist. Zuvor haben wir aber erstmal zugeschaut, wie ein Angora-Kaninchen geschoren wird. Diese Viecher haben so dermaßen viel Fell, dass das alle 3 Monate abgeschoren werden muss, damit sich die Tiere überhaupt noch bewegen können. Danach sehen sie aber ziemlich nackig aus... Da Kaninchen im Gegensatz zu Schafen kein Lanolin produzieren, ist das Fell überhaupt nicht fettig und extrem weich und flauschig, so dass daraus gute Schals & Mützen gefertigt werden können. Nach Besichtigung der Waitomo-Caves haben wir noch eine kleine Wanderung gemacht, auf der man auch einen natürlichen Tunnel bestaunen konnte, der entstanden ist, als ein Teil einer solchen Karsthöhle eingestürzt ist.

Unser nächstes Ziel sollte der Kawhia-Beach sein. Das ist ein so genannter Hot Water Beach – man kann sich also bei Ebbe im Strand an bestimmten Stellen ein Loch buddeln, wo dann heißes Wasser rauskommt und man es sich so schön gemütlich machen kann. Leider haben wir es zeitlich nicht wirklich gut abgepasst, da abends Flut sein sollte. Deswegen haben wir kurzerhand auf einem Parkplatz auf dem Weg nach Kawhia Halt gemacht und dort unser Lager aufgeschlagen. Dort gab es dann einen der schönsten Sonnenuntergänge überhaupt zu bewundern. Da wir uns nicht wirklich überwinden konnten mitten in der Nacht aufzustehen, nur um die Ebbe abzupassen, kamen wir also auch am nächsten Morgen nicht in den Genuss eines warmen Bades. Doch trotzdem haben wir es uns mit einem späten Frühstück (mit ordentlich schwarzem Sand in der Margarine...) und einem Strandspaziergang samt Muschelnsammeln richtig gut gehen lassen. Im Gegensatz zu Ostküste war das Wasser hier schon recht warm und ich freue mich schon jetzt auf den Sommer, wenn man dann auch mal richtig (und nicht nur für 1 Minute) baden gehen kann.


Egmont Nationalpark

Das letzte größere Ziel unserer Reise war der Egmont Nationalpark mit dem mächtigen Vulkan Mt. Taranaki, der über dem flachen Land drumherum thront, aber meistens von Wolken eingehüllt und so eher selten richtig sichtbar ist. Einer Maori-Legende nach stand Taranki einst genau wie Mt. Ruapehu und Mt. Ngauruhoe im Zentrum der Nordinsel. Ganz in der Nähe war „die“ dicht bewaldete Mt. Pihanga, in die die 3 anderen Berge schwer verliebt waren. Eines Tages wagte es Taranaki sich an Pihanga ranzumachen. Da war Ruapehu natürlich schwer eifersüchtig, so dass es zu einem Zweikampf kam, den Taranaki verlor. Voller Trauer über die verlorene Liebe zog er von dannen und ließ sich im Westen nieder, wo er heute fernab von den anderen Vulkanen steht. Eigentlich hätte ich gerne den Pouakai Circuit gemacht, aber da die Leute vom DoC meinten, dass der Weg wohl teilweise noch eisig wäre, haben wir das gelassen und haben den um einiges kürzeren Mangorei Track in Angriff genommen. Gestartet bei schönstem Sonnenschein sollten wir schon bald auf „Wolkenhöhe“ gelangen und auch die Hütte war komplett von Wolken eingehüllt. Nach einem kurzen Lunch wollten wir uns gerade auf den Weg zum Pouakai Summit machen, als wir einen Hubschrauber gehört haben. Der Platz, von dem ich vorher noch dachte, dass man da im Sommer bestimmt super zelten könnte, war also in Wirklichkeit ein Hubschrauberlandeplatz. Also fix ins Gebüsch gehüpft, um nicht vom am Hubschrauber baumelnden Wassertank erschlagen zu werden und abgewartet bis er gelandet war, um dann zur etwas sicheren Hütte zu flüchten. Bei einem solchen Wind, den der Hubschrauber gemacht hat, musste man sich wirklich gut festhalten, um stehen zu bleiben! Die Jungs vom DoC waren gekommen, um eben diesen neuen Wassertank zu installieren und die Hütte wieder etwas auf Vordermann zu bringen (und uns abends das Holz für ein schönes Feuer klein zu hacken...). Der Pouakai-Summit selber war absolut phantastisch: im einen Moment war man noch eingehüllt in Wolken und fünf Sekunden später konnte man bis zum Meer schauen – so stark hat der Wind geblasen. Zurück an der Hütte waren die Wolken dann auf einmal alle weg, so dass man abends beim Zähneputzen inmitten eines einmaligen Bergpanoramas stand und über einem ein gewaltiger Sternenhimmel und die Milchstraße funkelte. Einfach unbeschreiblich!




Black Beach bei Hawera & Wanganui

Unsere Reise ging nun langsam aber sich zu Ende. Nach der Wanderung zurück vom Berg ging es über eine kleine Stadt, in der wir uns erstmal (nach Tagen nur mit Spaghetti, Tee und Schokolade) ganz dekadent in einem Café einen Kaffee gegönnt haben, an einen Strand in der Nähe von Hawera. Dort gab es geniale versteinerte Muscheln, die wir natürlich erstmal einsammeln mussten. Am nächsten Morgen hatten wir ganz unerwartet Blick auf den nicht-wolkenumhüllten Taranaki, so dass wir am liebsten gleich noch mal dorthin gewandert wären. Doch das wird später nochmal nachgeholt. Für uns hieß das nächste Ziel Wanganui, wo mich Barbara aus dem Perlenladen, den wir zufällig entdeckt haben, kaum noch rausbekommen hat. Da werden wohl so einige Ohrringe als „Spätfolge“ übrig bleiben... :)

Mit dem Sonnenuntergang im Rückspiegel nahmen wir Fahrt in Richtung Palmerston North, wo man über den Ruahines und Tararuas schon wieder die Wolken thronen sah. Eigentlich hatten wir ja noch genug Benzin im Tank – "Wollen wir nicht einfach weiter nach Wellington fahren?"

Die nächste Reise wird garantiert nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Sonntag, 24. August 2008

Ich bin dann mal weg...

Die erste Haelfte des Semesters ist vorbei und somit stehen jetzt erstmal 2 Wochen Ferien vor der Tuer! Morgen frueh geht es dann also mit Barbara auf grosse Fahrt, um den mittleren Teil der Nordinsel unsicher zu machen. Werde wahrscheinlich am 4./5. September wieder in Palmerston (und damit regelmaessig erreichbar) sein - bis dahin also!

Euch allen liebe Gruesse und noch ein paar schoene Spaetsommertage!

Jule

Sonntag, 10. August 2008

Winterwanderung auf dem Sunrise Track

Phantastisch! Anders kann man das vergangene Wochenende nicht beschreiben... Doch ich fang mal ganz von vorne an.


Nach dem letzten eher faulen Wochenende in Palmerston wollte ich dieses Wochenende auf jeden Fall wieder raus, um was zu unternehmen. Als dann am Montag die Mail rumkam, dass Dave einen Trampingtrip zur Sunrise Hut planen würde, musste ich nicht lange überlegen und hab mich mit ein paar anderen gleich angemeldet. Da es dann aber doch nur ein Auto gab und die Uni bei einigen die ersten „Opfer“ gefordert hat, haben wir uns letztendlich nur zu fünft (Dave, Sam, Dwayne, Barbara und ich) am Samstag Morgen bei strahlendem Sonnenschein getroffen haben, um in die östlichen Ruahines zu fahren. Um dorthin zu gelangen mussten wir erstmal durch den Manawatu Gorge fahren; eine Schlucht, die die Tararuas und die Ruahines trennt. Dann ging es östlich der Ruahines gen Norden, wobei man die ganze Zeit schon die schneebedeckten Gipfel sehen konnte.


Nachdem wir die obligatorischen Schafweiden überquert hatten (Schafe gibt’s hier echt an jeder Ecke – das ist kein Klischee...), sind wir einem Pfad gefolgt, der sich serpentinenartig durch den Wald nach oben gezogen hat. Ständig hatte man Ausblick auf die weißen Berge und das hügelige Land der Hawke's Bay. Anders als in Deutschland ist es hier in Neuseeland ja auch im Winter noch richtig grün und so kamen wir auch in den Genuss des Anblickes von Palmen und Farnen mit Schneehaube. Da es mit Ausnahme der Ranges und Mt. Ruapehu auf der Nordinsel eher selten schneit, haben sich auch unsere drei Kiwis wie die kleinen Kinder gefreut und so gab es auf dem Weg nach oben auch die eine oder andere Schneeballschlacht :)


Der Track selber war gar nicht mal so lang, so dass wir schon zur Mittagszeit die Sunrise Hut auf 1300m erreicht hatten. Nach einem kurzen Lunch in der Hütte ging es dann noch weiter auf den Armstrong Saddle in 1499m Höhe. Hier lag jetzt schon mächtig viel Schnee, so dass ich die anderen mächtig um ihre Gamaschen beneidet habe, wenn ich mal wieder bis fast zum Knie in der weißen Pracht gesteckt habe... Aber der Weg nach oben war trotzdem einmalig; auf der einen Seite konnte man die schneebedeckten Ruahines sehen und auf der anderen Seite erstreckten sich die grünen Wiesen der Hawke'y Bay. Und: wir waren die ersten dort, so dass der Schnee noch ganz unberührt war. Auch wenn es nach diversen Schneeballschlachten, Schnee“frau“-Bauaktionen und Roddelpartien auf Plastiktüten eher aussah, als ob da mehr als 20 Kindern ihr Unwesen getrieben hätten...


Ziemlich durchgefroren, aber absolut glücklich sind wir dann wieder zurück zur Hütte, wo zumindest wir Mädels erstmal versucht haben, den Füßen und dem Rest des Körpers am Gasheizofen etwas Wärme einzuhauchen. Abends gab es bei mir mal wieder die obligatorischen Brötchen mit Frühstücksfleisch (die Kiwis machen sich schon lustig; Fleisch in Dosen wird hier absolut verschmäht...), während die Jungs ihr Festmahl à la Schnitzel mit Nudeln und Wein zubereitet haben. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass bei dem einen oder anderem der Rucksack immer zur Hälfte mit Essenssachen gefüllt ist. Und ja, der 2l-Weinkarton ist natürlich auch obligatorisch... :)



Am nächsten Morgen ging es dann recht zeitig raus, da wir uns unbedingt anschauen wollten, womit die Sunrise Hut ihren Namen verdient hat. Und das hat sich einfach mal absolut gelohnt: wir hatten einen Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch! Dann fix gefrühstückt und wieder runter vom Berg. Der Schnee von gestern war nun absolut gefroren, so dass man höllisch aufpassen musste, wenn man nicht ausrutschen wollte. Aber alles ging glatt, so dass wir schon kurz nach zehn Uhr wieder am Auto waren und es wieder gen Palmerston North ging.


Alltag...

Nicht dass ihr denkt, dass ich hier nur unterwegs bin - unter der Woche ist natürlich auch noch Uni angesagt. Wirklich zur Uni gehen muss ich allerdings eher selten, aber dafür ist dann halt zu Hause Paper lesen angesagt. Und da ist ziemliche Selbstdisziplin gefragt, wenn man sich jeden Morgen von neuem zwingen muss aufzustehen und was zu machen. Aber inzwischen hab ich mich daran gewöhnt... :) Das erste Essay und das erste Referat hab ich schon weg; bis zur Midsemesterbreak in zwei Wochen steht noch mal ein anderes langes Essay und ein weiterer Vortrag an. So wirklich zum ausruhen komm ich also nicht, aber es ist wirklich interessant, mal in aktuelle Forschungsthemen reinzuschnuppern zu können.


Mittags treffe ich mich öfters mal mit ein paar Leuten zum Lunch und außerdem haben wir jetzt auch angefangen, ab und an mal Frisbee zu spielen. Abends kochen wir öfters mal miteinander und vor zwei Wochen hatten wir auch unsere eigene alternative Weihnachtsfeier: so richtig mit Sterne basteln, Plätzchen backen, Glühwein und Wichteln. Denn Winter ohne Weihnachten ist ja irgendwie kein richtiger Winter...





Roadtrip zu den Hot Pools bei Waiotapu

Um 6 Uhr am letzen Juli-Samstag redete Max, der Leiter des geplanten Roadtrips, beschwörend auf uns 20 wartende Gestalten ein: Für die Nordinsel war der Sturm des Jahrzehntes angekündigt worden und alle, die sich nicht vorstellen konnten, eventuell auch im überfluteten Zelt zu schlafen, sollten doch bitte wieder nach Hause gehen... Wir dachten so „Mein Gott, schlimmer als das Wochenende davor wird es schon nicht werden“ und los ging es.


Mit zwei Vans fuhren wir in Richtung Norden durch den Tongariro Nationalpark und vorbei an Lake Taupo zum Thermalgebiet um Waiotapu. Die Gegend dort ist geprägt von heißen Quellen und Co. und überall gibt es kleine Flüsse und Wasserbecken mit heißem Wasser. Also ab in den Bikini und rein ins Vergnügen! Ganze drei Stunden aalten wir uns nun in einem der Hot Pools, bis die Haut ganz faltig wurde und man den Gestank nach faulen Eiern kaum noch wahrnahm. Abends genossen wir den Luxus eines Lagerfeuers, wobei es eigentlich fast gar nicht regnete – wo war der Sturm, vor dem so doll gewarnt worden war? Um uns hatte er jedenfalls einen Bogen gemacht. Doch Emily, Austin und Paul, die an diesem Tag am Mount Ruapehu Snowboard fahren wollten, mussten sogar evakuiert werden, da es dort einen ziemlich heftigen Blizzard gab.


Am nächsten Tag ging es dann noch kurz zu ein paar Mud Pools (voll mit „kochendem“ Schlamm), nach Rotorua und dann auch schon wieder nach Hause.