Montag, 8. September 2008

Zähneputzen vorm Bergpanorama unterm Sternenhimmel - was gibt es schöneres?

Nach einer phantastischen Reise durch den mittleren Teil der Nordinsel bin ich jetzt wieder im guten alten Palmerston angekommen – und ich muss sagen: Neuseeland ist ganz eindeutig das schönste Land der Welt! Undurchdringlicher Regenwald, heiße Seen, schwarze Strände und windige Berge – jeden Tag gab es neue geniale Sachen zu entdecken und schon jetzt zieht es mich eigentlich wieder raus in die Natur. Aber die nächsten Ferien kommen ja bald...


Napier & Mahia Peninsula

Bei schönstem Sonnenschein haben wir vor 2 Wochen unsere Siebensachen ins Auto geladen und sind auf unseren ersten größeren Trip gestartet. Erstes Ziel unserer Reise war Napier – eine der etwas schöneren Städte in Neuseeland. Anfang der 30er Jahre wurde Napier durch ein Erdbeben vollkommen zerstört, so dass die Stadt komplett neu wieder augebaut werden musste. Und da Art Deco zu dieser Zeit gerade groß in Mode war, ist der Stadtkern von Napier von diesem Stil stark geprägt. Irgendwie hatte diese Stadt einen Flair von französischem Seebad – den wir bei schönstem Sonnenwetter ausgiebig genossen haben. Den Rundum-Ausblick vom Bluff Hill haben wir dann noch genutzt, um unserer erstes „Freiluft-Dinner“ zuzubereiten, bevor es dann weiter Richtung Norden ging, um einen Schlafplatz zu suchen. Nach langer Fahrt sind wir also auf einem Rastplatz irgendwo in den Bergen gelandet – dass wir direkt am Tutira Lake gelandet waren, sollten wir erst am nächsten Morgen feststellen... Nachts gab es dann noch einen kleinen Schock, als das Auto auf einmal anfing wie verrückt zu wackeln – ein Mensch konnte es eigentlich nicht gewesen sein und ein Erdbeben hört auch nicht urplötzlich auf, wenn man den Alarm anschaltet. Das wird dann wohl doch ein etwas kuschelbedürftiges Schaf gewesen sein. Nix schlimmes also – aber Angst konnte man da doch bekommen. Am nächsten Morgen wurden wir dann noch von zwei Gänsen belagert, so dass wir das Frühstück nicht auf der Sitzbank, sondern auf dem Tisch sitzend genossen haben. Aber zum Glück sind wir dafür auf dem Rest der Reise von aufdringlichen Tieren verschont worden.

Am zweiten Tag ging es dann auf die Mahia Peninsula - eine Halbinsel, die im Sommer bei den Kiwis als Urlaubsziel hoch im Kurs steht, wo man im Winter aber fast allein ist. Dort gibt es einen wunderschönen Naturpark, den wir zu Fuss erkundet haben. Auf dem Rückweg konnten wir noch einen genialen Sonnenuntergang über dem Pazifik bewundern, bevor es in das Hostel für diese Nacht ging.






Lake Waikareiti Track im Te Urewera Nationalpark


Am nächsten Morgen ging es zeitig los in Richtung Norden, wo wir im Te Urewera Nationalpark zur Sandy Bay Hut am Lake Waikareiti wandern wollten. Die Wanderung um den benachbarten Lake Waikaremoana ist sogar einer der Great Walks – wir haben uns aber erstmal mit dem „kleinen Bruder“ begnügt, was aber mindestens ebenso beeindruckend war. Unser Weg führte durch dichten Regenwald, wobei man ab und an einmalige Ausblicke auf den See hatte. Es gibt da auch mehrere kleine Inseln, auf denen (im Gegensatz zum Rest von NZ) keine neu eingeführten Tiere leben, so dass die Flora und Fauna noch im ursprünglichen Zustand ist und nicht durch Possums und Co. bedroht wird. Während der Wanderung hat es uns mal wieder ordentlich eingeregnet und die Wege waren teilweise so zugewachsen, dass man sie gar nicht mehr als solche erkennen konnte. Was das angeht gibt es wirklich einen riesigen Unterschied ziwschen Deutschland und Neuseeland. Während man uns hier vorher sagte, dass der Weg nur ein kleines bisschen zugewachsen wäre, hätte man in Deutschland wohl eher von „unpassierbar“ geredet... Aber angekommen sind wir trotzdem und was macht man dann bei einem See? Genau – baden gehen! Zwar nur kurz rein und gleich wieder raus, aber das Wasser war wirklich verdammt eisekalt :) Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück und auf einer ziemlichen Schotterstraße in Richtung Norden aus dem Nationalpark raus. Im Te Urewerea Nationalpark findet man das letzte große Stück zusammenhängenden Regenwaldes der Nordinsel, so dass die Fahrt da durch wirklich beeindruckend war.


Wai-O-Tapu & Rotorua

Die Fahrt führte uns zu den Mudpools, bei denen wir ja schon während des Roadtrips vor ein paar Wochen gewesen sind. Zum Einschlafen ist da so ein regelmäßiges „Blubb-blubb-blubb“ echt angenehm, auch wenn man am nächsten Morgen erstmal eine Weile braucht, bis man den Geruch nach faulen Eiern ignorieren kann... Nach einem sehr nebligen Morgen sollte später das beste Sonnen-Foto-Wetter sein, um den Geothermalpark „Waiotapu“ zu besuchen. Da wir in den beiden Tagen zuvor quasi keine Menschenseele getroffen haben, haben wir in Waiotapu, was schon eine ziemliche Touristenattraktion ist, erstmal einen kleinen „Zivilisationsschock“ bekommen. Aber zum Glück hatten es die anderen alle ziemlich eilig, so dass wir den Park mit kochenden Schlammlöchern und zahlreichen bunten Seen mehr oder weniger für uns allein hatten. Abends ging es dann ins nahe Rotorua, wo wir den Tag mit einer warmen Dusche (nach mehreren Tage ohne: DAS Highlight schlechthin...) und einem gemütlichen Abendessen vor dem Hostel-Kamin ausklingen haben lassen. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam mit Manuel, einem anderen Deutschen aus dem Hostel, etwas durch die Stadt gebummelt und haben es uns in den vielen Parks gut gehen lassen.


Otorohanga Kiwi House, Waitomo Caves & Kawhia Beach

Der nächste Tag sollte unser „Touri-Tag“ werden. Gleich morgens ging es in Kiwi-House in Otorohanga, eine Art Vogel-Zoo, wo man unter anderem auch das Nationalsymbol Neuseelands bestaunen konnte: den Kiwi. Für alle, die von den vielen verschieden Kiwis verwirrt sind: es gibt insgesamt 3 „Kiwis“:

kiwi – der Vogel
Kiwi - der/die Neuseeländer/-in
Kiwi – die Frucht

(Der Vogel war zuerst da. Nach ihm wurde die Kiwi(fruit) benannt, da die ja auch so braun und „flauschig“ wie der Vogel ist. Und Neuseeländer wurden Kiwis genannt, da früher auf den Uniformen der Armee der Kiwivogel abgebildet war.)

Kiwis sind inzwischen durch eingeführte Tiere und auch aus anderen Gründen leider so gut wie ausgestorben. Deshalb versucht man, die Kiwieier einzusammeln, zu bebrüten und die Jungvögel von Hand aufzuziehen. Sobald sie groß genug sind, um sich gegen Possums u.ä. wehren zu können, werden sie anschließend wieder ausgesetzt.

Nach dem Kiwi-House ging es in Richtung Waitomo, ein Ort, der für seine zahlreichen Karsthöhlen mit vielen Glühwürmchen berühmt ist. Zuvor haben wir aber erstmal zugeschaut, wie ein Angora-Kaninchen geschoren wird. Diese Viecher haben so dermaßen viel Fell, dass das alle 3 Monate abgeschoren werden muss, damit sich die Tiere überhaupt noch bewegen können. Danach sehen sie aber ziemlich nackig aus... Da Kaninchen im Gegensatz zu Schafen kein Lanolin produzieren, ist das Fell überhaupt nicht fettig und extrem weich und flauschig, so dass daraus gute Schals & Mützen gefertigt werden können. Nach Besichtigung der Waitomo-Caves haben wir noch eine kleine Wanderung gemacht, auf der man auch einen natürlichen Tunnel bestaunen konnte, der entstanden ist, als ein Teil einer solchen Karsthöhle eingestürzt ist.

Unser nächstes Ziel sollte der Kawhia-Beach sein. Das ist ein so genannter Hot Water Beach – man kann sich also bei Ebbe im Strand an bestimmten Stellen ein Loch buddeln, wo dann heißes Wasser rauskommt und man es sich so schön gemütlich machen kann. Leider haben wir es zeitlich nicht wirklich gut abgepasst, da abends Flut sein sollte. Deswegen haben wir kurzerhand auf einem Parkplatz auf dem Weg nach Kawhia Halt gemacht und dort unser Lager aufgeschlagen. Dort gab es dann einen der schönsten Sonnenuntergänge überhaupt zu bewundern. Da wir uns nicht wirklich überwinden konnten mitten in der Nacht aufzustehen, nur um die Ebbe abzupassen, kamen wir also auch am nächsten Morgen nicht in den Genuss eines warmen Bades. Doch trotzdem haben wir es uns mit einem späten Frühstück (mit ordentlich schwarzem Sand in der Margarine...) und einem Strandspaziergang samt Muschelnsammeln richtig gut gehen lassen. Im Gegensatz zu Ostküste war das Wasser hier schon recht warm und ich freue mich schon jetzt auf den Sommer, wenn man dann auch mal richtig (und nicht nur für 1 Minute) baden gehen kann.


Egmont Nationalpark

Das letzte größere Ziel unserer Reise war der Egmont Nationalpark mit dem mächtigen Vulkan Mt. Taranaki, der über dem flachen Land drumherum thront, aber meistens von Wolken eingehüllt und so eher selten richtig sichtbar ist. Einer Maori-Legende nach stand Taranki einst genau wie Mt. Ruapehu und Mt. Ngauruhoe im Zentrum der Nordinsel. Ganz in der Nähe war „die“ dicht bewaldete Mt. Pihanga, in die die 3 anderen Berge schwer verliebt waren. Eines Tages wagte es Taranaki sich an Pihanga ranzumachen. Da war Ruapehu natürlich schwer eifersüchtig, so dass es zu einem Zweikampf kam, den Taranaki verlor. Voller Trauer über die verlorene Liebe zog er von dannen und ließ sich im Westen nieder, wo er heute fernab von den anderen Vulkanen steht. Eigentlich hätte ich gerne den Pouakai Circuit gemacht, aber da die Leute vom DoC meinten, dass der Weg wohl teilweise noch eisig wäre, haben wir das gelassen und haben den um einiges kürzeren Mangorei Track in Angriff genommen. Gestartet bei schönstem Sonnenschein sollten wir schon bald auf „Wolkenhöhe“ gelangen und auch die Hütte war komplett von Wolken eingehüllt. Nach einem kurzen Lunch wollten wir uns gerade auf den Weg zum Pouakai Summit machen, als wir einen Hubschrauber gehört haben. Der Platz, von dem ich vorher noch dachte, dass man da im Sommer bestimmt super zelten könnte, war also in Wirklichkeit ein Hubschrauberlandeplatz. Also fix ins Gebüsch gehüpft, um nicht vom am Hubschrauber baumelnden Wassertank erschlagen zu werden und abgewartet bis er gelandet war, um dann zur etwas sicheren Hütte zu flüchten. Bei einem solchen Wind, den der Hubschrauber gemacht hat, musste man sich wirklich gut festhalten, um stehen zu bleiben! Die Jungs vom DoC waren gekommen, um eben diesen neuen Wassertank zu installieren und die Hütte wieder etwas auf Vordermann zu bringen (und uns abends das Holz für ein schönes Feuer klein zu hacken...). Der Pouakai-Summit selber war absolut phantastisch: im einen Moment war man noch eingehüllt in Wolken und fünf Sekunden später konnte man bis zum Meer schauen – so stark hat der Wind geblasen. Zurück an der Hütte waren die Wolken dann auf einmal alle weg, so dass man abends beim Zähneputzen inmitten eines einmaligen Bergpanoramas stand und über einem ein gewaltiger Sternenhimmel und die Milchstraße funkelte. Einfach unbeschreiblich!




Black Beach bei Hawera & Wanganui

Unsere Reise ging nun langsam aber sich zu Ende. Nach der Wanderung zurück vom Berg ging es über eine kleine Stadt, in der wir uns erstmal (nach Tagen nur mit Spaghetti, Tee und Schokolade) ganz dekadent in einem Café einen Kaffee gegönnt haben, an einen Strand in der Nähe von Hawera. Dort gab es geniale versteinerte Muscheln, die wir natürlich erstmal einsammeln mussten. Am nächsten Morgen hatten wir ganz unerwartet Blick auf den nicht-wolkenumhüllten Taranaki, so dass wir am liebsten gleich noch mal dorthin gewandert wären. Doch das wird später nochmal nachgeholt. Für uns hieß das nächste Ziel Wanganui, wo mich Barbara aus dem Perlenladen, den wir zufällig entdeckt haben, kaum noch rausbekommen hat. Da werden wohl so einige Ohrringe als „Spätfolge“ übrig bleiben... :)

Mit dem Sonnenuntergang im Rückspiegel nahmen wir Fahrt in Richtung Palmerston North, wo man über den Ruahines und Tararuas schon wieder die Wolken thronen sah. Eigentlich hatten wir ja noch genug Benzin im Tank – "Wollen wir nicht einfach weiter nach Wellington fahren?"

Die nächste Reise wird garantiert nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Sonntag, 24. August 2008

Ich bin dann mal weg...

Die erste Haelfte des Semesters ist vorbei und somit stehen jetzt erstmal 2 Wochen Ferien vor der Tuer! Morgen frueh geht es dann also mit Barbara auf grosse Fahrt, um den mittleren Teil der Nordinsel unsicher zu machen. Werde wahrscheinlich am 4./5. September wieder in Palmerston (und damit regelmaessig erreichbar) sein - bis dahin also!

Euch allen liebe Gruesse und noch ein paar schoene Spaetsommertage!

Jule

Sonntag, 10. August 2008

Winterwanderung auf dem Sunrise Track

Phantastisch! Anders kann man das vergangene Wochenende nicht beschreiben... Doch ich fang mal ganz von vorne an.


Nach dem letzten eher faulen Wochenende in Palmerston wollte ich dieses Wochenende auf jeden Fall wieder raus, um was zu unternehmen. Als dann am Montag die Mail rumkam, dass Dave einen Trampingtrip zur Sunrise Hut planen würde, musste ich nicht lange überlegen und hab mich mit ein paar anderen gleich angemeldet. Da es dann aber doch nur ein Auto gab und die Uni bei einigen die ersten „Opfer“ gefordert hat, haben wir uns letztendlich nur zu fünft (Dave, Sam, Dwayne, Barbara und ich) am Samstag Morgen bei strahlendem Sonnenschein getroffen haben, um in die östlichen Ruahines zu fahren. Um dorthin zu gelangen mussten wir erstmal durch den Manawatu Gorge fahren; eine Schlucht, die die Tararuas und die Ruahines trennt. Dann ging es östlich der Ruahines gen Norden, wobei man die ganze Zeit schon die schneebedeckten Gipfel sehen konnte.


Nachdem wir die obligatorischen Schafweiden überquert hatten (Schafe gibt’s hier echt an jeder Ecke – das ist kein Klischee...), sind wir einem Pfad gefolgt, der sich serpentinenartig durch den Wald nach oben gezogen hat. Ständig hatte man Ausblick auf die weißen Berge und das hügelige Land der Hawke's Bay. Anders als in Deutschland ist es hier in Neuseeland ja auch im Winter noch richtig grün und so kamen wir auch in den Genuss des Anblickes von Palmen und Farnen mit Schneehaube. Da es mit Ausnahme der Ranges und Mt. Ruapehu auf der Nordinsel eher selten schneit, haben sich auch unsere drei Kiwis wie die kleinen Kinder gefreut und so gab es auf dem Weg nach oben auch die eine oder andere Schneeballschlacht :)


Der Track selber war gar nicht mal so lang, so dass wir schon zur Mittagszeit die Sunrise Hut auf 1300m erreicht hatten. Nach einem kurzen Lunch in der Hütte ging es dann noch weiter auf den Armstrong Saddle in 1499m Höhe. Hier lag jetzt schon mächtig viel Schnee, so dass ich die anderen mächtig um ihre Gamaschen beneidet habe, wenn ich mal wieder bis fast zum Knie in der weißen Pracht gesteckt habe... Aber der Weg nach oben war trotzdem einmalig; auf der einen Seite konnte man die schneebedeckten Ruahines sehen und auf der anderen Seite erstreckten sich die grünen Wiesen der Hawke'y Bay. Und: wir waren die ersten dort, so dass der Schnee noch ganz unberührt war. Auch wenn es nach diversen Schneeballschlachten, Schnee“frau“-Bauaktionen und Roddelpartien auf Plastiktüten eher aussah, als ob da mehr als 20 Kindern ihr Unwesen getrieben hätten...


Ziemlich durchgefroren, aber absolut glücklich sind wir dann wieder zurück zur Hütte, wo zumindest wir Mädels erstmal versucht haben, den Füßen und dem Rest des Körpers am Gasheizofen etwas Wärme einzuhauchen. Abends gab es bei mir mal wieder die obligatorischen Brötchen mit Frühstücksfleisch (die Kiwis machen sich schon lustig; Fleisch in Dosen wird hier absolut verschmäht...), während die Jungs ihr Festmahl à la Schnitzel mit Nudeln und Wein zubereitet haben. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass bei dem einen oder anderem der Rucksack immer zur Hälfte mit Essenssachen gefüllt ist. Und ja, der 2l-Weinkarton ist natürlich auch obligatorisch... :)



Am nächsten Morgen ging es dann recht zeitig raus, da wir uns unbedingt anschauen wollten, womit die Sunrise Hut ihren Namen verdient hat. Und das hat sich einfach mal absolut gelohnt: wir hatten einen Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch! Dann fix gefrühstückt und wieder runter vom Berg. Der Schnee von gestern war nun absolut gefroren, so dass man höllisch aufpassen musste, wenn man nicht ausrutschen wollte. Aber alles ging glatt, so dass wir schon kurz nach zehn Uhr wieder am Auto waren und es wieder gen Palmerston North ging.


Alltag...

Nicht dass ihr denkt, dass ich hier nur unterwegs bin - unter der Woche ist natürlich auch noch Uni angesagt. Wirklich zur Uni gehen muss ich allerdings eher selten, aber dafür ist dann halt zu Hause Paper lesen angesagt. Und da ist ziemliche Selbstdisziplin gefragt, wenn man sich jeden Morgen von neuem zwingen muss aufzustehen und was zu machen. Aber inzwischen hab ich mich daran gewöhnt... :) Das erste Essay und das erste Referat hab ich schon weg; bis zur Midsemesterbreak in zwei Wochen steht noch mal ein anderes langes Essay und ein weiterer Vortrag an. So wirklich zum ausruhen komm ich also nicht, aber es ist wirklich interessant, mal in aktuelle Forschungsthemen reinzuschnuppern zu können.


Mittags treffe ich mich öfters mal mit ein paar Leuten zum Lunch und außerdem haben wir jetzt auch angefangen, ab und an mal Frisbee zu spielen. Abends kochen wir öfters mal miteinander und vor zwei Wochen hatten wir auch unsere eigene alternative Weihnachtsfeier: so richtig mit Sterne basteln, Plätzchen backen, Glühwein und Wichteln. Denn Winter ohne Weihnachten ist ja irgendwie kein richtiger Winter...





Roadtrip zu den Hot Pools bei Waiotapu

Um 6 Uhr am letzen Juli-Samstag redete Max, der Leiter des geplanten Roadtrips, beschwörend auf uns 20 wartende Gestalten ein: Für die Nordinsel war der Sturm des Jahrzehntes angekündigt worden und alle, die sich nicht vorstellen konnten, eventuell auch im überfluteten Zelt zu schlafen, sollten doch bitte wieder nach Hause gehen... Wir dachten so „Mein Gott, schlimmer als das Wochenende davor wird es schon nicht werden“ und los ging es.


Mit zwei Vans fuhren wir in Richtung Norden durch den Tongariro Nationalpark und vorbei an Lake Taupo zum Thermalgebiet um Waiotapu. Die Gegend dort ist geprägt von heißen Quellen und Co. und überall gibt es kleine Flüsse und Wasserbecken mit heißem Wasser. Also ab in den Bikini und rein ins Vergnügen! Ganze drei Stunden aalten wir uns nun in einem der Hot Pools, bis die Haut ganz faltig wurde und man den Gestank nach faulen Eiern kaum noch wahrnahm. Abends genossen wir den Luxus eines Lagerfeuers, wobei es eigentlich fast gar nicht regnete – wo war der Sturm, vor dem so doll gewarnt worden war? Um uns hatte er jedenfalls einen Bogen gemacht. Doch Emily, Austin und Paul, die an diesem Tag am Mount Ruapehu Snowboard fahren wollten, mussten sogar evakuiert werden, da es dort einen ziemlich heftigen Blizzard gab.


Am nächsten Tag ging es dann noch kurz zu ein paar Mud Pools (voll mit „kochendem“ Schlamm), nach Rotorua und dann auch schon wieder nach Hause.





Donnerstag, 24. Juli 2008

Wanderung in den Tararuas

Wie schon im letzten Blogeintrag angekündigt, bin ich nun am vergangenen Wochenende zum ersten Mal so richtig aus Palmerston rausgekommen, da es mit ein paar Leuten vom MUAC auf eine Wanderung zur Waiopehu Hut in die Tararuas ging. Der südlichen Teil der Nordinsel wird von zwei Gebirgszügen in zwei Teile geteilt. Und in dem einen, den Tararuas, waren wir nun unterwegs.


Da ich ja aus Deutschland kaum Sachen fürs Wandern mitgebracht hatte, bin ich am Freitag erstmal mit einer Freundin in die Outdoor-Stores der Stadt, um noch die nötigsten Sachen zu besorgen. So ohne Schlafsack und Wanderhose macht sich das ja dann doch nicht so gut... Nachdem auch die Futtervorräte mit Brötchen, Frühstücksfleisch („Spam“) und Schokolade aufgefüllt wurden, ging es dann Samstag morgen um 8 mit den Autos gen Süden. Nach knapp einer Stunde Fahrt vorbei an ganz vielen Schafen auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite waren wir auch schon da. Noch fix die Rucksack-Regenhüllen rausgeholt („werden sie ja eh nicht lange brauchen; hört bestimmt bald auf mit regnen...“ - denkste!) und los gings.


Um zum eigentlichen Beginn des Tracks zu gelangen, musste man erstmal eine große Kuhweide überqueren, bei der man sich schonmal beim „finde-den-einzigen-trockenen-Fleck-in-10m Umkreis“-Spiel erproben konnte... :) Die dabei gewonnenen Kenntnisse sollten im Laufe des Tages noch recht nützlich sein, denn der Regen wollte nicht so wirklich aufhören. Doch trotz der durchdringenden Nässe war der Track einfach phänomenal. Die Tararuas haben für mich fast eher den Anschein von Regenwald: überall sind Pflanzen, die man vorher noch nie gesehen hat und alles ist von Moosen überwachsen, so dass es schon fast ein bisschen geisterwaldmäßig ausschaut. Manchmal ist der Wald sogar so dicht gewesen, dass es fast stockfinster war! Da man eigentlich fast die gesamte Zeitmitten im Wald unterwegs war, gab es sowieso nur wenig Aussichtspunkte und wenn es welche gab, dann sah man da auch nur Wolken, was ein bisschen schade war. Bei schönem Wetter soll man nämlich teilweise die Küste und sogar die Südinsel sehen können.




Nach sechs Stunden Wanderung durch den Wald, wobei die Wege gegen Ende hin eher wie Flüsse aussahen und wir uns durchaus gefragt haben, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg waren, tauchte dann irgendwann aus dem Nebel die Waiopehu-Hütte auf. Da inzwischen eigentlich alle bis auf die Knochen durchnässt waren, konnten wir uns bei dem Anblick die Freudenschreie gar nicht verkneifen :) Auch wenn es weder Heizung noch warmes Wasser gab: endlich konnte man aus den Schlammschuhen und den nassen Sachen raus, sich was trockenes anziehen und sich im Schlafsack eingemummelt an den Tisch setzen, um den Rest des Tages mit Essen, Kartenspielen und Gesprächen über den Unterschied zwischen „longdrop“ und „shortdrop“ zu verbringen (Anmerkung: longdrop=Plumpsklo mit entsprechender Fallhöhe, shortdrop=Dixiklo nach 3 Tagen Benutzung...)


Nach einer gar nicht so kalten Nacht und einem kurzen Frühstück musste man dann wohl oder übel wieder in die Klamotten vom Vortag rein und los gings. Und es war zwar neblig, aber: es regnete nicht! So mussten wir uns auf dem Rückweg also „nur“ durch Schlammsümpfe und nicht durch Flussbette kämpfen... :) So ganz ohne Kapuze konnte man jetzt auch mal richtig den Wald bestaunen, welcher bei schönem Wetter bestimmt nochmal um einiges eindrucksvoller ist.


Fazit: ein wunderbarer Auftakt in die Zeit in Aotearoa (Maori für 'Land der langen weißen Wolke'). In den Tararuas werde ich nicht das letzte Mal gewesen sein... :)


Donnerstag, 17. Juli 2008

Angekommen - am anderen Ende der Welt

Nachdem das Zimmer geräumt, die letzten Klausuren geschrieben und die Abschiedsparty gefeiert wurde, ging es für mich nochmal für ein Wochenende nach Dresden, um kurz zu entspannen, Familie und Freunde zu sehen und meinen Koffer von bestimmt 40 kg auf 15 kg zu reduzieren. Mit einem fast leerem Koffer ging es dann also am 7.7. zum Flughafen nach Frankfurt, um von dort ins große Abenteuer zu starten. Der Flug nun ja, sagen wir mal so: im Regionalexpress hat man mehr Beinfreiheit... Nach zwei mehr oder weniger schlaflosen Nächten bin ich dann am Morgen des 9.7. ziemlich fertig, aber voller Vorfreude in Auckland gelandet.


Schon allein der Anflug auf die Nordinsel war einfach phänomenal! Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Da ich bis zu meinem Anschlussflug sechs Stunden Zeit hatte, bin ich einfach mal ohne Ziel drauf losgelaufen und hab ein schönes Plätzchen auf nem Hügel gefunden, wo ich dann erstmal die frische Neuseeland-Luft und die Sonne genossen habe. Hinter mir vergnügten sich ein paar lustige Vögel, die ziemlich komische Laute (irgendwie klang es, als wären Möwen ein bisschen heiser geworden...) von sich gaben. Ein Kiwi meinte später zu mir, dass das wohl Magpies wären und dass die manchmal ziemlich aggressiv werden könnten. Aber bisher wurde ich zum Glück noch nicht angegriffen :) Als ich dann abends in Palmy angekommen bin, hat mich jemand von der Uni abgeholt und ins Backpackers gefahren. Bin nur noch kurz in die Stadt, um mir was zu essen zu kaufen, um dann ganz fix ins Bett zu fallen und zu versuchen, mit Hilfe einer Wärmflasche die 12°C Zimmertemperatur vergessen zu machen. Aber geschlafen hab ich trotzdem wie ein Stein :)



Am nächsten Morgen haben dann auch schon gleich die Orientierungstage für die Internationals angefangen. Insgesamt sind wir hier so an die 100 Internationals, wobei rund die Hälfte davon Asiaten sind und der Rest eigentlich aus Amerikanern, Deutschen und Pakistanern besteht. Da haben uns nun also die verschiedensten Leute der Uni alle mögliche Sachen erzählt. Im Gegensatz zur Marburger Uni scheint das hier wirklich ein Rundum-Sorglos-Packet zu sein: Für alle möglichen Angelegenheiten gibt es einen Ansprechpartner und die Hilfsbereitschaft ist einmalig. Da hilft einem sogar der Unipräsident persönlich bei der WG-Suche... Aber dazu gleich mehr. Während der Orientierungstage gab es dann auch eine Farmtour bei der man uns u.a. gezeigt hat, wie man ein Schaf scheert. Das arme Ding muss bei der Kälte anschließend aber mächtig gefroren haben, soviel Wolle, wie es gelassen hat...



Neben den ganzen Orientierungstagen musst ich mich ja nun noch um ein Dach über dem Kopf kümmern, da ich ja nicht ewig im Backpackers wohnen konnte. Im Vergleich zu Marburg ist die WG-Suche hier eine wirklich recht entspannte Sache. Auswahlverfahren oder ähnliches gibt’s nicht und bei den meisten könnte man auch von jetzt auf gleich einziehen. Doch nachdem ich mehrere Tage zu Fuß durch Palmy gewandert bin (und mittlerweile fast die ganze Stadt kenne), hat es mir dann irgendwann gereicht. Es gab zwar durchaus schöne WGs, jedoch lagen die entweder nicht wirklich zentral (und die Busse fahren wochentags nur bis 7 und am Wochenende nur dreimal am Tag...) oder die Leute war mitunter etwas ominös. Als mir das Residential Office dann gesagt hat, dass sie noch ein Zimmer in einer der Halls hätten, hab ich kurzerhand zugeschlagen. Eigentlich hatte ich dem Wohnheimleben ja Servus gesagt, aber damit war's dann jetzt wohl doch nix. Jedoch bin ich hier sowieso eher in einer Art WG. Teile mir mit fünf anderen Mädels eine Wohnung mit Wohnzimmer, Bad und Küche. Zur einen Seite hin haben wir Blick über den ganzen Campus, zur anderen Seite hin sieht man die Berge mit ganz vielen Schafen davor. Typisch Neuseeland halt... :) Bin also rundum zufrieden, zumal es echt genial ist, erst 10min vor Vorlesungsbeginn aus dem Haus zu gehen, da der Science-Tower quasi gleich um die Ecke ist. Und das Beste: hier gibt es Heizung! Das ist in NZ nicht selbstverständlich und da die Häuser nicht wirklich isoliert sind kann es ohne Heizung mitunter ziemlich frostig werden.


Diesen Montag hat das Semester dann auch offiziell angefangen. Die ersten beiden Tage hatte ich abgesehen vom Umzug und ein paar kleinen Sachen noch nicht wirklich viel zu tun, da meine erste Veranstaltung erst am Mittwoch war. So verbrachte ich die Zeit damit, es mir im Zimmer etwas gemütlicher zu machen, ein paar Sachen zu besorgen und mit Leuten in die Dining Hall zu gehen. Dienstagabend war dann noch Koch-/Spieleabend mit ein paar Amerikanern und einer anderen Deutschen in einer der Atawhai-Flats. Das Atawhai-Village besteht aus lauter kleinen Blockhütten und liegt auf einem Berg am anderen Ende des Campus. Bis dort hoch sind es 168 Stufen – fast genauso viele wie hoch zum CDH. Da ich dort wohl öfters sein werde, werde ich „treppenklettermäßig“ wohl nicht aus der Übung kommen... ;)


Als ich mir vor einiger Zeit meinen Stundenplan für dieses Semester zusammengebastelt habe, musst ich ja schon irgendwie schmunzeln: Ich muss nur genau zweimal pro Woche zur Uni! Mittwoch und Freitag von 9 bis 12. „Faules Ding!“ würden da wohl so manche sagen und auch ich hab mich auf ein ziemlich entspanntes Semester eingestellt... Aber wenn ich das im Moment richtig sehe, wird’s wohl doch nicht soooo locker. Haben nämlich allein in Genetic Analysis schon 7 Paper mitbekommen, die wir bitte bis nächste Woche durcharbeiten sollen. Puh! So richtig haben wir das in Marburg ja bisher noch nie machen müssen; bin also echt gespannt, wie das so klappt.


Außerdem bin ich jetzt Mitglied des „Massey University Alpine Club“ - dem örtlichen Alpenverein sozusagen... :) Das ist quasi der Outdoor-Club der Uni, welcher an fast jedem Wochenende irgendetwas anbietet: Wandern, Skitrips, Klettern, Kanu usw. Mit den Leuten geht es dieses Wochenende schon auf eine Tour in die Tararua Mountain Ranges – doch dazu dann nächste Woche mehr :)



Für alle, die mir Briefe , Karten oder auch Westpäckchen (mit richtigem Brot und guter deutscher Schokolade...) schicken wollen, hier meine Adresse:


Juliane Neubert
Massey University Halls (Ruahine Flat 2 / Room 9)
Private Bag 11-222
Palmerston North
New Zealand


Euch liebe Grüße vom anderen Ende der Welt,

Jule