Sonntag, 14. Dezember 2008
Auckland, Bay of Islands und Cape Reinga Walkway
Den ersten Tag haben wir recht faul mit einem mini-Stadtbummel, einem gemuetlichem Lunch auf der Hostel-Veranda (in Gesellschaft des zutraulichen miauenden Papageies) und mit einem guten Buch am Strand verbracht. Am naechsten Tag ging es dann Seakajaken – etwas, auf das ich mich schon ewig gefreut hatte. Gleich ganz zeitig sind Julia und ich zum Bootsverleih, haben uns die Boote geholt und sind losgepaddelt. Vorbei an der Stadt, einem kleinen Segelboothafen und vielen kleinen Buchten ging es zu einem einsamen Strand, wo wir im glasklaren Wasser erstmal eine Runde schwimmen gegangen sind. Einfach traumhaft! Irgendwie hab ich mir Neuseeland genau so vorgestellt, bevor ich hierher kam. Auf dem Weg zurueck ist dann maechtig Gegenwind aufgekommen, so dass wir uns maechtig ins Zeug legen mussten, um ueberhaupt irgendwie vorwaerts zu kommen. Gegen Ende kamen die (bedrohlich starken Wellen) auch noch von der Seite, so dass wir recht froh waren, am Ende nicht noch ein unfreiwilliges Bad nehmen zu muessen. Auf jeden Fall hat die Tour wieder Lust auf mehr gemacht und es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich hier auf dem Wasser meine Runden drehe. Am Bootsverleih wartete dann schon Ajit, der Julia mit einem Kurzbesuch ueberraschen wollte, was auch gelungen ist. Die beiden haben dann die naechsten beiden Tage allein verbracht, waehrend Doerthe und ich mit vielen Abstechern zu diversen Straenden langsam Richtung Norden gefahren sind, wo wir uns dann alle auf einem Zeltplatz wieder getroffen haben.
Zuvor hatte man uns schon vor den aggressiven Muecken in Northland gewarnt, aber so krass wie es letztendlich war, hatten wir es nun wirklich nicht werwartet. Sobald die Daemmerung aufkam, schwirrten sie einem um den gesamten Koerper und auch das Auto haben sie in Nullkommanix voll in Beschlag genommen. Unser Zeltrevier konnten wir zum Glueck ganz gut verteidigen, aber ohne Ohropax waere man von dem Gebrumme der 200 Muecken zwischen Innen- und Aussenzelt wohl wahnsinnig geworden.. Die Muecken im Spreewald sind Kinderkram dagegen... In den naechsten Tagen sollten wir noch die absolten Lieblingsopfer bleiben, so dass ich letztendlich am ganzen Koerper komplett zerstochen worden bin. Dank paddelbedingtem Sonnenbrand auf den Oberschenkeln (mit attraktiver Radlerhose-Kante...) und den 1001 Stichen muss ich zur Zeit wohl einen ziemlich komischen Anblick abgeben...
Ihr merkt schon, die Muecken haben dort einen ziemlichen Eindruck hinterlassen. Aber trotzdem haben wir den dreitaegigen Cape Reinga Coastal Walkway richtig geniessen koennen. Die meisten Touris fahren einfach nur zum Leuchtturm in Cape Reinga und wieder zurueck, so dass wir auf der Wanderung nahezu komplett alleine unterwegs waren. Gepraegt war diese Tour von langen Strecken Strandwanderung, was mitunter ziemlich anstrengend werden kann. Man merkt dann Muskeln, von denen man vorher noch gar nichts gemerkt hat... In der ersten Nacht haben wir unser Zelt mit Blick auf das Cape Maria van Diemen aufgestellt, welches der eigentlich noerdlichste Punkt Neuseelands ist, auch wenn die meisten glauben, dass Cape Reinga diesen Status besitzt. Am zweiten Tag ging es dann ueber den Te Werahi Beach und Cape Reinga zur Tapotupotu Bay. Dank mehrfachen Umwegen wegen schlechter Beschilderung waren mehr als fertig, als wir vom Ridge die Bucht erblickten. Doch der Blick darauf entschädigte für alle Strapazen. Einfach traumhaft mit den feuerrot blühenden Pohutukawa Trees drum herum… Am letzten Tag sind wir glücklicherweise um lange Strecken am Strand herumgekommen und da die Sonne zum Glück nicht ganz so krass auf den Kopf knallte, hat man die lange 8h-Etappe ganz gut ausgehalten.
Damit war unsere Reise auf der Nordinsel quasi zu Ende und wir sind gemuetlich innerhalb von 2 Tagen wieder zurück nach Palmy gefahren. Ich habe es richtig genossen mal wieder zu Hause zu sein und nicht jeden Tag das Nachtlager wechseln u muessen. Man hatte auch endlich mal wieder ein bisschen Zeit ein paar organisatorische Sachen zu erledigen und Leute wieder zu treffe. Was das angeht ist Palmy wirklich ein Dorf. Ständig hat man Freunde in der Stadt getroffen, die auch gerade hier auf Durchgangsstation sind bzw. hier noch Praktikum machen oder arbeiten muessen. Gestern abend haben wir uns deshalb nochmal alle im Celtic’s getroffen, wo eine Liveband gespielt hat und am Ende alle in der kleinen Gasse draussen getanzt haben. Das hat gefetzt! Heute gab‘s dann noch bei Alexandra, in deren Garten ich gerade beim Zelt aufgeschlagen habe, eine BBQ-„MeatMas“ Party (in Anlehnung an ChristMas), vor der wir vorher nochmal eine Runde im Pool schwimmen waren. Trotz Weihnachtsdeko in der ganzen Stadt kommt es mir im Moment nicht so vor, als ob in 10 Tagen Weihnachten ist…
Morgen geht’s dann weiter nach Wellington, von wo ich dann am Dienstag mit der Fähre auf die Südinsel fahre. Dort mache ich dann ersteinmal den Queen Charlotte Track in den Marlborough Sounds, bevor ich mich mit Julia und Ajit wiedertreffe und wir dann (wahrscheinlich irgendwo in der Naehe von Abel Tasman NP) zusammen Weihnachten verbringen.
Ich wünsch euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Bis bald,
Jule
Freitag, 28. November 2008
Tongariro Northern Circuit, Bay of Plenty & Coromandel
Am naechsten Tag hiess es Abschied nehmen von Ajit, Barbara und Lukas, die gen Palmy bzw. Suedinsel weiter fuhren. Fuer uns ging es nach Whakatane in der Bay of Plenty. Die naechsten Tage sollten wir mit Wanderungen und faulen Nachmittagen an den Straenden der Bay of Plenty verbringen. Obwohl wir ja nach den Pruefungen ja noch eine Weile Pause in Palmy hatten, waren wir doch noch ziemlich fertig und brauchten einfach etwas Entspannung. Da viele Leute vom Hot Water Beach geschwaermt haben, sind wir dann auch dahin. Dort konnte man sich bei Ebbe ein Loch in den Strand buddeln, welches sich dann mit heissem Wasser gefuellt hat. Da wir etwas spaet dran waren hatten wir selber kein Budelglueck mehr, konnten aber auf die "Gastfreundschaft" anderer Touris zaehlen. Unser Touri-Tag ging dann weiter mit einem Ausflug zum Cathedral Cove. Eigentlich ganz schoen - uns waren da aber mit Abstand viel zu viele Leute. Deswegen haben wir uns schon drauf gefreut ganz in den einsamen Norden der Coromandel Peninsula zu fahren. Nach einer Stunde auf der Schotterstrasse weigerte sich mein Auto allerdings von einem Moment auf den anderen weiterzufahren. Es gab absolut keinen Ton mehr von sich, so dass uns nichts anderes uebrig blieb als den AA (= NZ ADAC) anzurufen. Gluecklicherweise kam dann auch einer, der uns dann die ganzen 2 Stunden Weg bis CoromandelTown abgeschleppt hat. Eigentlich war das eine ganz lustige Fahrt, bei der die ganzen Lieder unserer Kindheit nochmal aus der hintersten Ecke des Gedaechtnisses gekramt wurden und lauthals zum besten gegeben wurden. Der Abschleppfahrer muss sich auch seinen Teil gedacht haben... Als wir dann am naechsten Morgen zur Werstatt sind und sie meinten, sie waeren schon 2 Wochen im Voraus ausgebucht haben wir schon schwarz gesehen. Allerdings hatte einer der Mechaniker wohl etwas Mitleid mit uns drei Maedels und so konnten wir (nach Austausch eines ominoeserhafter Weise durchgebrannten Kabels) nittags doch noch zum Coromandel Coastal Walkway starten.
Dieser Track fuehrt direkt an der Kueste von der Fletcher Bay zur Stony Bay. Wunderbar einsamer Track mit phantastischen Ausblicken. Nach einer regnerischen und stuermischen Nacht ging es dann am naechsten Tag den gleichen Weg bei schoenstem Sonnenschein zurueck. Vorgestern und gestern waren wir dann auf dem Kauaeranga-Kauri Trail unterwegs. In diesem Gebiet wurden frueher die gesamten Kauri-Baeume gerodet, jetzt allerdings sieht man davon dank Neuanpflanzungen kaum noch etwas. Hoehepunkt des ganzen war dann noch der Sidetrip zu den Pinnacles, die den hoechsten Punkt dieser Gegend bilden. Waeren die allgegenwaertigen Farne nicht gewesen, haette man fast denken koennen, man waere in der Saechsischen Schweiz...
Jetzt bin ich mit Julia erstmal bis Sonntag in Auckland, bevor dann die zur Zeit auf Rangitoto Island verweilende Doerthe wieder zu uns stoesst und es weiter in Richtung Bay of Islands und Northland geht.
Samstag, 15. November 2008
Es geht los - 3 Monate Abenteuer Neuseeland
Die vergangenen 4 Monate vergingen wirklich wie im Flug und trotz der riesigen Vorfreude auf die Reisezeit bin ich doch ein bisschen wehmuetig, da viele meiner Leute im naechsten Semester nicht mehr hier sein werden. Es war eine wunderbare Zeit mit vielen tollen Tracks und Trips und schoenen Tagen hier in Palmy. Vieles, was am Anfang noch neu und ungewohnt war, ist inzwischen vollkommen normal: man schaltet nicht jedes mal den Scheibenwischer ein, nur weil man abbiegen will, an die vielen Spatzen in der Bibliothek hat man sich auch gewoehnt und man denkt nicht mehr an eine dumme Anmache, wenn einer zu einem „sweet as“ sagt.
Nachdem ich am vergangenen Dienstag mit meiner letzten Pruefung fertig war, hatte ich noch ein paar schoene Tage mit strahlendem Sonnenschein und 26°C, die man nochmal so richtig geniessen konnte. Die letzten Sachen fuer die Reise wollten noch besorgt werden und nach und nach musste man auch von allen moeglichen Leuten Abschied nehmen. Am Donnerstag hatten wir dann noch eine kleine BBQ-Party in Atawhai, wo ich mich zum ersten Mal auch beim Slacklining probiert habe. Im Prinzip hat man da einfach nur eine Art Gurt, der zwischen zwei Baeume gespannt ist und auf dem man lang laeuft. Wenn man da unsere Maenner sieht, die da einfach mit Anlauf draufspringen und dann ohne mit der Wimper zu zucken alle moeglichen Kunststueckchen machen, denkt man, dass das ja gar nicht mal so schwer sein kann. Aber naja, Uebung macht ja bekanntlich den Meister. Ich jedenfalls war schon maechtig stolz, als ich am Ende des Abends 3 Schritte machen konnte, ohne runter zu fallen. Macht auf jeden Fall einen Hoellenspass und ich freu mich schon jetzt drauf, wenn ich mal wieder die Gelegenheit zum Slacklinen bekomme.
Bis ungefaehr Mitte Dezember werde ich jetzt erst einmal mit Julia und Doerthe die Nordinsel unsicher machen. Unter anderem stehen der Tongariro Northern Circuit, Coromandel, Bay of Islands und Northland auf dem Plan. Danach geht es dann fuer die restliche Zeit auf die Suedinsel, wobei ich da ausser dem Kepler Track Anfang Januar noch nichts gross geplant habe. Freu mich auf jeden Fall schon riesig auf die vielen tollen Wanderungen, die schoenen Straende und neue nette Leute.
Da ich ja jetzt kein Zimmer mehr habe, bekomm ich eigentlich auch keine Briefe mehr. Falls es aber ganz dringend sein sollte (Geburtstagskarten o.ae.... ;) ), koennt ihr Post ans Institut schicken, da hab ich auch ein Postfach:
Juliane Neubert,
Am besten ist es aber immer noch per Mail oder eben uebers Handy (+642102968690).
Euch allen zu Hause wuensche ich eine schoene Adventszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Esst ein Stueck Rosinenstollen fuer mich mit :)
Liebe Gruesse,
Jule
Dienstag, 21. Oktober 2008
I've seen the mountain
Da es bis zum Egmont NP doch ein bisschen weit ist, ging es schon Freitag nachmittag (nach dem letzten Seminar für dieses Semester) los in Richtung Norden. So konnten wir uns noch mit einem kleinen Strandspaziergang am Beach in Patea auf unserer langes Wochenende einstimmen.
Der Circuit selber beginnt in North Egmont, führt steil hinauf zum Tahurangi Peak und verläuft dann auf halber Höhe des Mt. Taranaki entlang bis er wieder hinunter geht zur Holly Hut, wo wir ne kleine Lunchbreak gemacht haben. Während der erste Teil des Tages schön sonnig war, hatte es dann angefangen aus allen Wolken zu schütten, so dass wir auf dem Weg über den Ahukawakawa Sumpf zur Pouakai Hut nicht wirklich viel von der Umgebung sahen. Aber zum Glück war eine Truppe aus Tschechien schon etwas eher in der Hütte und hatte ein schönes Feuer gemacht, so dass wir nach unserer Ankunft in der Hütte gar nicht erst mit Frieren anfangen konnten. Den ganzen Abend und bis zum Einschlafen wollte es nicht wirklich aufhören mit Regnen und so langsam haben wir dann wirklich Angst bekommen, dass „I've seen the mountain“ doch nur ein Witz bleiben sollte.
Doch allen Befürchtungen zum Trotz sollten wir am nächsten Morgen beim Sonnenaufgang besten Blick auf „the mountain“ aka Mt. Taranaki haben. Bei Traumwetter ging es dann also in Richtung Henry Peak – links mit Blick aufs Meer und rechts mit Blick auf den Berg. Schöner kann eine Tour wirklich nicht sein! Vom Henry Peak führte dann der Weg langsam aber sicher nach unten – und die vier Stunden stetig bergab machten sich am Montag schmerzhaft bemerkbar – jeder Schritt eine Treppe runter tat weh wie Hölle. Aber diese phantastische Wanderung macht auf jeden Fall jegliche Schmerzen wett... Am zweiten Tag gab es auch jede Menge Flussquerungen, die wir zum Glück alle ohne nasse Füsse machen konntenüberstanden haben. Ganz im Gegensatz zu vor zwei Wochen, als ich mit Julia in den Ruahines unterwegs war und ein Bächlein über Nacht so stark angeschwollen ist, dass uns nichts anderes übrig blieb, als mitten durchs fast knietiefe Wasser zu laufen. Aber inzwischen hat man sich dran gewöhnt, dass es in NZ eher die Ausnahme ist, mit trockenen Füßen ans Ziel zu kommen... :)
Hier in Palmerston ist gerade Study Break und nächste Woche fangen die Exams an. Die erste Prüfung steht bei mir aber schon diesen Donnerstag auf dem Plan; mal schauen wie ich mich da beim Interpretative Exam anstelle. Nebenbei muss ich aber auch noch meine Hausarbeit endlich mal zum Ende bringen. Dann hab ich noch Exams in Genetic Analysis am 1.11. und in MolCellBiology am 11.11. und am 15. 11. muss ich auch schon aus meinem Zimmer ausgezogen sein. Das ist hier sowieso ganz komisch – über den Sommer werden alle Wohnheime bis auf eins geschlossen. Aber mir soll das egal sein, denn in den drei Sommermonaten werden mein Auto, das Zelt und die Hütten Neuseelands mein Zuhause sein.
Der Sommer-Ferien-Countdown läuft also...!
Liebe Grüße an euch alle,
Julchen
Sonntag, 28. September 2008
Frühling!
Am vergangenen Wochenende ging es mit einer ziemlich großen Mädelstruppe zum Manawatu-Gorge. Durch die dortige Schlucht führt auch ein Wanderweg, welcher quasi das Highlight der Region ist. Im Vergleich zu den bisherigen Wanderungen eher unaufregend – aber war trotzdem ein schöner Tag mit ein paar neuen Gesichtern.
Heut ging es dann an die Ostküste nach Castlepoint. Das ist ein kleines Nest irgendwo im Nirgendwo, wo es zum einen einen Leuchtturm und zum anderen den 170m hohen Castle Rock gibt, der von unten so steil aussieht, dass man denkt, man würde beim Hochklettern runter fallen. Auf dem Weg dahin gab es noch einen kleinen Seehund zu sehen. Alles in allem war es ein wunderbar entspannter Tag mit Lunch im Wind und Muscheln sammeln am Strand, der mal wieder dringend nötig war. Im Moment weiß ich, was Uni angeht, nicht mehr wo vorne und wo hinten ist und der Gedanke an die nächsten Tagen mit nix als Paper lesen macht es nicht wirklich viel besser. Aber mit der heute getankten Sonne übersteh ich hoffentlich die vielen Stunden im dunklen Kämmerlein...
Highlight der Woche: gemütliches Abendessen mit Julia mit RICHTIGEM Brot (so mit ordentlicher Kruste, Körnern und dunkler Farbe...) mit Butter und Salami drauf. Nach fast drei Monaten nur mit labberigem Toastbrot und ohne ordentlichem Belag DER Genuss schlechthin...
Ab heute ist bei uns nun Sommerzeit: Jetzt sind es also 11 Stunden Zeitdifferenz. (wenn es in Deutschland 10 Uhr ist, isses bei mir also 21 Uhr)
Mittwoch, 17. September 2008
Wellington
Da Barbara und Dörthe von ihrem Wohnheim aus so eine Art Wettkampf in Wellington hatten, konnte ich mit den Leuten mitfahren und bin dann den Samstag allein durch die Stadt gebummelt.
Hab die vollkommen gegensätzlichen Gegenden von Lombart Quay und Cuba Street erkundet, hab die warme Mittagssonne am Hafen genossen und dabei Segelboote beobachtet und bin dann noch auf den Mt. Victoria gekraxelt, von dem man einen kompletten Rundumblick über die Stadt und die tausenden umliegenden Buchten hatte. Abends ging es dann mit den anderen in einen Irish Pub. Da war dann das Tri Nations-Finale im Rugby der All Blacks (NZ) gegen die Wallabies (AUS) erstmal Pflicht. Für mich sieht der Lieblingssport der Kiwis immer noch so ein bisschen aus wie American Football, auch wenn von den Kiwis diesbezügliche Ähnlichkeiten vehement abgestritten werden. Aber egal: Für großgewordene Jungs, die sich noch immer gerne an frühere Schulhofprügeleien erinnern, geht bei dem Sport wohl ein Traum in Erfüllung... Besonderen Spaß macht es dabei, sich den Haka, einen traditionellen Kriegstanz, vor Beginn eines jeden Spiels anzuschauen . Nach dem Spiel spielte dann noch eine echt gute Liveband, so dass wir das erste Mal seit langem wieder ordentlich feiern konnten.
Nach einer eher kurzen Nacht war dann erstmal ein bisschen Kultur angesagt: Te Papa! Das ist das recht berühmte Nationalmuseum von Neuseeland, welches nicht umsonst so gerühmt wird. Hier kann man quasi alles bestaunen, was irgendwie mit den beiden Inseln zu tun hat. Angefangen von Flora und Fauna, über die Maori-Kultur bis hin zu Erdbeben&Vulkanen. Wahnsinnig interessant und an einem Tag absolut nicht zu schaffen. Nach gemütlichem Sonnen-Hafen-Lunch ging es noch mal quer durch die Stadt zum berühmten Cable Car. Das ist im Prinzip eine ähnliche Standseilbahn wie die in Dresden, nur eben in rot. Von der Gipfelstation hatte man den typischen Wellington-Postkartenblick, den wohl jeder kennt. Bei genialem Frühlingswetter ging es dann durch den Botanischen Garten vorbei an blühenden Bäumen zurück zum Bus.
Noch eine kleine Anmerkung zum Midsemester-Break-Post: Das kuschelnde Schaf war doch keins. Geschwankt hat unser Auto nämlich doch wegen eines Erdbebens - der Stärke 5,9 :)
Montag, 8. September 2008
Zähneputzen vorm Bergpanorama unterm Sternenhimmel - was gibt es schöneres?
Napier & Mahia Peninsula
Bei schönstem Sonnenschein haben wir vor 2 Wochen unsere Siebensachen ins Auto geladen und sind auf unseren ersten größeren Trip gestartet. Erstes Ziel unserer Reise war Napier – eine der etwas schöneren Städte in Neuseeland. Anfang der 30er Jahre wurde Napier durch ein Erdbeben vollkommen zerstört, so dass die Stadt komplett neu wieder augebaut werden musste. Und da Art Deco zu dieser Zeit gerade groß in Mode war, ist der Stadtkern von Napier von diesem Stil stark geprägt. Irgendwie hatte diese Stadt einen Flair von französischem Seebad – den wir bei schönstem Sonnenwetter ausgiebig genossen haben. Den Rundum-Ausblick vom Bluff Hill haben wir dann noch genutzt, um unserer erstes „Freiluft-Dinner“ zuzubereiten, bevor es dann weiter Richtung Norden ging, um einen Schlafplatz zu suchen. Nach langer Fahrt sind wir also auf einem Rastplatz irgendwo in den Bergen gelandet – dass wir direkt am Tutira Lake gelandet waren, sollten wir erst am nächsten Morgen feststellen... Nachts gab es dann noch einen kleinen Schock, als das Auto auf einmal anfing wie verrückt zu wackeln – ein Mensch konnte es eigentlich nicht gewesen sein und ein Erdbeben hört auch nicht urplötzlich auf, wenn man den Alarm anschaltet. Das wird dann wohl doch ein etwas kuschelbedürftiges Schaf gewesen sein. Nix schlimmes also – aber Angst konnte man da doch bekommen. Am nächsten Morgen wurden wir dann noch von zwei Gänsen belagert, so dass wir das Frühstück nicht auf der Sitzbank, sondern auf dem Tisch sitzend genossen haben. Aber zum Glück sind wir dafür auf dem Rest der Reise von aufdringlichen Tieren verschont worden.
Am zweiten Tag ging es dann auf die Mahia Peninsula - eine Halbinsel, die im Sommer bei den Kiwis als Urlaubsziel hoch im Kurs steht, wo man im Winter aber fast allein ist. Dort gibt es einen wunderschönen Naturpark, den wir zu Fuss erkundet haben. Auf dem Rückweg konnten wir noch einen genialen Sonnenuntergang über dem Pazifik bewundern, bevor es in das Hostel für diese Nacht ging.
Lake Waikareiti Track im Te Urewera Nationalpark
Am nächsten Morgen ging es zeitig los in Richtung Norden, wo wir im Te Urewera Nationalpark zur Sandy Bay Hut am Lake Waikareiti wandern wollten. Die Wanderung um den benachbarten Lake Waikaremoana ist sogar einer der Great Walks – wir haben uns aber erstmal mit dem „kleinen Bruder“ begnügt, was aber mindestens ebenso beeindruckend war. Unser Weg führte durch dichten Regenwald, wobei man ab und an einmalige Ausblicke auf den See hatte. Es gibt da auch mehrere kleine Inseln, auf denen (im Gegensatz zum Rest von NZ) keine neu eingeführten Tiere leben, so dass die Flora und Fauna noch im ursprünglichen Zustand ist und nicht durch Possums und Co. bedroht wird. Während der Wanderung hat es uns mal wieder ordentlich eingeregnet und die Wege waren teilweise so zugewachsen, dass man sie gar nicht mehr als solche erkennen konnte. Was das angeht gibt es wirklich einen riesigen Unterschied ziwschen Deutschland und Neuseeland. Während man uns hier vorher sagte, dass der Weg nur ein kleines bisschen zugewachsen wäre, hätte man in Deutschland wohl eher von „unpassierbar“ geredet... Aber angekommen sind wir trotzdem und was macht man dann bei einem See? Genau – baden gehen! Zwar nur kurz rein und gleich wieder raus, aber das Wasser war wirklich verdammt eisekalt :) Am nächsten Morgen ging es dann wieder zurück und auf einer ziemlichen Schotterstraße in Richtung Norden aus dem Nationalpark raus. Im Te Urewerea Nationalpark findet man das letzte große Stück zusammenhängenden Regenwaldes der Nordinsel, so dass die Fahrt da durch wirklich beeindruckend war.
Wai-O-Tapu & Rotorua
Die Fahrt führte uns zu den Mudpools, bei denen wir ja schon während des Roadtrips vor ein paar Wochen gewesen sind. Zum Einschlafen ist da so ein regelmäßiges „Blubb-blubb-blubb“ echt angenehm, auch wenn man am nächsten Morgen erstmal eine Weile braucht, bis man den Geruch nach faulen Eiern ignorieren kann... Nach einem sehr nebligen Morgen sollte später das beste Sonnen-Foto-Wetter sein, um den Geothermalpark „Waiotapu“ zu besuchen. Da wir in den beiden Tagen zuvor quasi keine Menschenseele getroffen haben, haben wir in Waiotapu, was schon eine ziemliche Touristenattraktion ist, erstmal einen kleinen „Zivilisationsschock“ bekommen. Aber zum Glück hatten es die anderen alle ziemlich eilig, so dass wir den Park mit kochenden Schlammlöchern und zahlreichen bunten Seen mehr oder weniger für uns allein hatten. Abends ging es dann ins nahe Rotorua, wo wir den Tag mit einer warmen Dusche (nach mehreren Tage ohne: DAS Highlight schlechthin...) und einem gemütlichen Abendessen vor dem Hostel-Kamin ausklingen haben lassen. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam mit Manuel, einem anderen Deutschen aus dem Hostel, etwas durch die Stadt gebummelt und haben es uns in den vielen Parks gut gehen lassen.
Otorohanga Kiwi House, Waitomo Caves & Kawhia Beach
Der nächste Tag sollte unser „Touri-Tag“ werden. Gleich morgens ging es in Kiwi-House in Otorohanga, eine Art Vogel-Zoo, wo man unter anderem auch das Nationalsymbol Neuseelands bestaunen konnte: den Kiwi. Für alle, die von den vielen verschieden Kiwis verwirrt sind: es gibt insgesamt 3 „Kiwis“:
kiwi – der Vogel
Kiwi - der/die Neuseeländer/-in
Kiwi – die Frucht
(Der Vogel war zuerst da. Nach ihm wurde die Kiwi(fruit) benannt, da die ja auch so braun und „flauschig“ wie der Vogel ist. Und Neuseeländer wurden Kiwis genannt, da früher auf den Uniformen der Armee der Kiwivogel abgebildet war.)
Kiwis sind inzwischen durch eingeführte Tiere und auch aus anderen Gründen leider so gut wie ausgestorben. Deshalb versucht man, die Kiwieier einzusammeln, zu bebrüten und die Jungvögel von Hand aufzuziehen. Sobald sie groß genug sind, um sich gegen Possums u.ä. wehren zu können, werden sie anschließend wieder ausgesetzt.
Nach dem Kiwi-House ging es in Richtung Waitomo, ein Ort, der für seine zahlreichen Karsthöhlen mit vielen Glühwürmchen berühmt ist. Zuvor haben wir aber erstmal zugeschaut, wie ein Angora-Kaninchen geschoren wird. Diese Viecher haben so dermaßen viel Fell, dass das alle 3 Monate abgeschoren werden muss, damit sich die Tiere überhaupt noch bewegen können. Danach sehen sie aber ziemlich nackig aus... Da Kaninchen im Gegensatz zu Schafen kein Lanolin produzieren, ist das Fell überhaupt nicht fettig und extrem weich und flauschig, so dass daraus gute Schals & Mützen gefertigt werden können. Nach Besichtigung der Waitomo-Caves haben wir noch eine kleine Wanderung gemacht, auf der man auch einen natürlichen Tunnel bestaunen konnte, der entstanden ist, als ein Teil einer solchen Karsthöhle eingestürzt ist.
Unser nächstes Ziel sollte der Kawhia-Beach sein. Das ist ein so genannter Hot Water Beach – man kann sich also bei Ebbe im Strand an bestimmten Stellen ein Loch buddeln, wo dann heißes Wasser rauskommt und man es sich so schön gemütlich machen kann. Leider haben wir es zeitlich nicht wirklich gut abgepasst, da abends Flut sein sollte. Deswegen haben wir kurzerhand auf einem Parkplatz auf dem Weg nach Kawhia Halt gemacht und dort unser Lager aufgeschlagen. Dort gab es dann einen der schönsten Sonnenuntergänge überhaupt zu bewundern. Da wir uns nicht wirklich überwinden konnten mitten in der Nacht aufzustehen, nur um die Ebbe abzupassen, kamen wir also auch am nächsten Morgen nicht in den Genuss eines warmen Bades. Doch trotzdem haben wir es uns mit einem späten Frühstück (mit ordentlich schwarzem Sand in der Margarine...) und einem Strandspaziergang samt Muschelnsammeln richtig gut gehen lassen. Im Gegensatz zu Ostküste war das Wasser hier schon recht warm und ich freue mich schon jetzt auf den Sommer, wenn man dann auch mal richtig (und nicht nur für 1 Minute) baden gehen kann.
Egmont Nationalpark
Das letzte größere Ziel unserer Reise war der Egmont Nationalpark mit dem mächtigen Vulkan Mt. Taranaki, der über dem flachen Land drumherum thront, aber meistens von Wolken eingehüllt und so eher selten richtig sichtbar ist. Einer Maori-Legende nach stand Taranki einst genau wie Mt. Ruapehu und Mt. Ngauruhoe im Zentrum der Nordinsel. Ganz in der Nähe war „die“ dicht bewaldete Mt. Pihanga, in die die 3 anderen Berge schwer verliebt waren. Eines Tages wagte es Taranaki sich an Pihanga ranzumachen. Da war Ruapehu natürlich schwer eifersüchtig, so dass es zu einem Zweikampf kam, den Taranaki verlor. Voller Trauer über die verlorene Liebe zog er von dannen und ließ sich im Westen nieder, wo er heute fernab von den anderen Vulkanen steht. Eigentlich hätte ich gerne den Pouakai Circuit gemacht, aber da die Leute vom DoC meinten, dass der Weg wohl teilweise noch eisig wäre, haben wir das gelassen und haben den um einiges kürzeren Mangorei Track in Angriff genommen. Gestartet bei schönstem Sonnenschein sollten wir schon bald auf „Wolkenhöhe“ gelangen und auch die Hütte war komplett von Wolken eingehüllt. Nach einem kurzen Lunch wollten wir uns gerade auf den Weg zum Pouakai Summit machen, als wir einen Hubschrauber gehört haben. Der Platz, von dem ich vorher noch dachte, dass man da im Sommer bestimmt super zelten könnte, war also in Wirklichkeit ein Hubschrauberlandeplatz. Also fix ins Gebüsch gehüpft, um nicht vom am Hubschrauber baumelnden Wassertank erschlagen zu werden und abgewartet bis er gelandet war, um dann zur etwas sicheren Hütte zu flüchten. Bei einem solchen Wind, den der Hubschrauber gemacht hat, musste man sich wirklich gut festhalten, um stehen zu bleiben! Die Jungs vom DoC waren gekommen, um eben diesen neuen Wassertank zu installieren und die Hütte wieder etwas auf Vordermann zu bringen (und uns abends das Holz für ein schönes Feuer klein zu hacken...). Der Pouakai-Summit selber war absolut phantastisch: im einen Moment war man noch eingehüllt in Wolken und fünf Sekunden später konnte man bis zum Meer schauen – so stark hat der Wind geblasen. Zurück an der Hütte waren die Wolken dann auf einmal alle weg, so dass man abends beim Zähneputzen inmitten eines einmaligen Bergpanoramas stand und über einem ein gewaltiger Sternenhimmel und die Milchstraße funkelte. Einfach unbeschreiblich!
Black Beach bei Hawera & Wanganui
Unsere Reise ging nun langsam aber sich zu Ende. Nach der Wanderung zurück vom Berg ging es über eine kleine Stadt, in der wir uns erstmal (nach Tagen nur mit Spaghetti, Tee und Schokolade) ganz dekadent in einem Café einen Kaffee gegönnt haben, an einen Strand in der Nähe von Hawera. Dort gab es geniale versteinerte Muscheln, die wir natürlich erstmal einsammeln mussten. Am nächsten Morgen hatten wir ganz unerwartet Blick auf den nicht-wolkenumhüllten Taranaki, so dass wir am liebsten gleich noch mal dorthin gewandert wären. Doch das wird später nochmal nachgeholt. Für uns hieß das nächste Ziel Wanganui, wo mich Barbara aus dem Perlenladen, den wir zufällig entdeckt haben, kaum noch rausbekommen hat. Da werden wohl so einige Ohrringe als „Spätfolge“ übrig bleiben... :)
Mit dem Sonnenuntergang im Rückspiegel nahmen wir Fahrt in Richtung Palmerston North, wo man über den Ruahines und Tararuas schon wieder die Wolken thronen sah. Eigentlich hatten wir ja noch genug Benzin im Tank – "Wollen wir nicht einfach weiter nach Wellington fahren?"
Die nächste Reise wird garantiert nicht allzu lange auf sich warten lassen.