Montag, 23. Februar 2009

Berge ohne Ende

Mt. Roy



Die erste Woche allein unterwegs sollte ein absolutes Highlight meiner Reise werden. Nachdem Dörthe abgefahren war, habe ich mich auf den Weg nach Wanaka gemacht, wo ich mir nach der Marathon-Tramping-Woche erstmal einen faulen Tag gegönnt habe. Der Sommer hatte so richtig zugeschlagen und bei unbarmherziger Hitze war ich zu nichts anderem fähig als mit einem guten Buch faul am Lake Wanaka zu liegen und abends nochmal schön schwimmen zu gehen. Aber schon am nächsten Tag ging es wieder weiter: Mt. Roy stand auf dem Programm. Der Weg zum Gipfel führte zick-zack-mäßig über Schafweiden nach oben, so dass man während des gesamten Aufstieges den Blick über Lake Wanaka geniessen konnte – der nach und nach immer toller wurde. Von ganz oben hatte man letztendlich einen 360° Rundblick über den gesamten See und die Berge des Aspiring Nationalparkes. Wirklich atemberaubend!

Brewster Hut und Mt. Armstrong


Auf dem Greenstone-Caples Track hatte uns ein Mit-Tramper Fotos von der Brewster Hut gezeigt und als ich die gesehen habe wusste ich sofort: Da muss ich hin! Gesagt, getan. Morgens hab ich noch mein Auto in die Werkstatt geschafft, da es zur WOF (=TÜV) Untersuchung musste und bin dann mit dem Bus in Richtung Fantail Falls am Haast Pass Highway, von wo der Weg aus zur Brewster Hut ging. Und zwar steil nach oben. So um die 1000 Höhenmeter durch dichten Wald über tausendundeine Wurzel mussten bezwungen werden – aber der tolle Ausblick von oben war das mehr als wert. Von der Hütte aus konnte man schon den Brewster Gletscher sehen, zu dem man auch hätte hinwandern können. Ich aber hab mich für den Aufstieg des Mt. Armstrong (2174m) entschieden. Es ging also nochmal so um die 400m nach oben. Die Hütte wurde immer kleiner und der Blick immer genialer. In Worten kann man das immer nicht so wirklich beschreiben. Aber so ganz weit oben zu stehen und den Blick schweifen zu lassen – es gibt nichts schöneres! Oben angekommen kamen dann aber recht fix Wolken auf und Mt. Brewster konnte man schon bald gar nicht mehr sehen, weshalb ich mich dann so schnell wie möglich auf den Weg nach unten gemacht habe. Hatte auf dem Weg nach oben die Rock Cairns irgendwie aus dem Blick verloren und hatte nicht unbedingt vor, den Weg zurück im Nebel zu suchen... Hat aber zum Glück alles geklappt, so dass ich dann noch einen fabelhaften Sonnenuntergang über den Bergen geniessen konnte. Am nächsten Tag wieder ganz unten angekommen haben meine Knie nach den mehr als 2000 Höhenmetern innerhalb von 2 Tagen doch etwas gestreikt, aber was solls – da mussten sie einfach durch... :)

Mt. Cook, Mt. John, Mt. Somers


Entgegen aller Erwartungen hat mein Auto ohne Probleme seinen neuen WOF bekommen, so dass der direkten Fahrt in Richtung Mt. Cook nichts mehr im Wege stand. Während des ersten Tages dort hielt sich der höchste Berg Neuseelands dank ziemlichen Mistwetters noch versteckt, doch nach einer ziemlich stürmischen Nacht, in der ich mich schon ängstlich gefragt habe, warum ich denn mein Zelt unbedingt unter einem Baum aufschlagen musste, waren die Wolken am nächsten Morgen wie fortgeblasen und man hatte freien Blick auf den beeindruckenden Aoraki/Mt. Cook. Jetzt hieß es aber langsam aber sicher Abschied nehmen von den Southern Alps. Vom Mt. John am Lake Tekapo hatte man nochmal einen tollen Blick auf die Alpen (und nachts wohl auch auf den klarsten Sternenhimmel NZ's) und dann machte ich mich langsam aber sicher auf den Weg in das flache Canterbury. Zuvor aber hab ich noch einen Daytrip bei Mt. Sommers gemacht. Eigentlich hatte ich mir dort einen Zweitagescircuit vorgenommen, aber so langsam ging die Reisezeit zu Ende und man musste anfangen zu planen, damit man noch alles geschafft hat, was man sich vorgenommen hatte.

Packhorse Hut

Im krassen Gegensatz zu den vergangen Wochen stand dann meine Wanderung zur Packhorse Hut bei Mt. Herbert und Mt. Bradley auf der Banks Peninsula in der Nähe von Christchurch. Die Gegend ist nahezu unbewaldet und durch die Hitze und Trockenheit des Sommers war alles total ausgetrocknet und am Wegesrand sah man so einige Schaf- und Kuhkadaver liegen. Der Blick über Lyttleton Harbour, die Port Hills und die Canterbury Plains war trotzdem klasse. Nachdem man Mt. Herbert bestiegen hatte, führte der Weg an der Seite von Mt. Bradley entlang zur Packhorse Hut. Dort habe ich zwischendurch mehr als einmal bezweifelt, dass der der richtige Weg gewesen ist, denn der superschmale Weg führte über eine Stunde lang quer durch Gestrüpp. Welches mit seinen verdammt dornigen Zweigen den kompletten Weg mannshoch überwuchert hat... Trotz langer Hosen waren meine Beine danach total zerkratzt und teilweise blutig. Und am nächsten Tag musste ich den selben Weg wieder zurück – da hab ich mich aber drauf gefreut! Zuerst sollte ich aber die Nacht in der historischen Packhorse Hut verbringen; einer gemütlichen Tramperhütte ganz aus Stein, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. In Anbetracht der Tatsache, dass Häuser hier selten älter als 30 Jahre sind, ist die also wirklich 'alt' gewesen...



Christchurch

Zurück von der Wanderung ging es für einen Tag nach Christchurch, wo ich noch so ein paar organisatorische Sachen für die Uni klären musste und einfach mal wieder etwas Stadtluft geschnuppert habe. Allerdings hatte ich mir die Stadt irgendwie anders vorgestellt; irgendwie war ChCh insgesamt nicht so mein Fall. Danach habe ich mich für einen Tag mit drei Freunden aus Palmy getroffen, die für ein langes Kletterwochenende auf die Südinsel geflogen sind. Mit ihnen ging es dann in die Port Hills, wo ich dann zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder am Fels war. Von unten sahen die Klettertouren gar nicht mal so schwer aus, doch als es dann ans Eingemachte ging, sah das dann schon wieder anders aus... Hab mich mitunter doch wie so ein Sack Kartoffeln gefühlt und am nächsten Tag sollte ich vor lauter Muskelkater kaum in der Lage sein, meine Wasserflasche zu öffnen. Hat aber trotz allem eine Menge Spaß gemacht, auch wenn ich das nächste Mal lieber erstmal mit den etwas einfacheren Sachen anfangen werde... :)

Dienstag, 3. Februar 2009

South Coast Track & Mt. Aspiring Nationalpark

Dunedin, Catlins, South Coast Track

Nach den ganzen Auto-Abenteuern war ich einfach nur heilfroh, als ich endlich wieder aus Dunedin verschwinden konnte. Es ging dann in Richtung Catlins, wo ich mich wieder mit Doerthe getroffen hatte, die einen Track auf Stewart Island gemacht hatte. Da muss es wirklich wunderschoen sein und so im Nachhinein bereue ich es so ein bisschen, dass ich mir das habe entgehen lassen. Das kommt aber mit auf meine "Das mach ich bei der naechsten Neuseelandreise"-Liste (die mittlerweile schon ziemlich lang ist...) Die Catlins selber waren jetzt nicht sooo spannend, aber immerhin haben wir dort ein paar der Yellow-Eyed Penguins gesehen. Wirklich drollig, wie die mit der Daemmerung irgendwann aus dem Meer gewatschelt kommen.

Der grosse Traum von Doerthe und mir war es, den Humpridge Track ganz im Sueden von Fjordland zu machen. Aber da das ein privater "Great Walk" ist, bei welchem man fuer die Huetten ziemlich blechen muss und wir uns da auch nicht anders reinmogeln konnten, haben wir alternativ einen Teil des South Coast Track gemacht, der sich mit dem Humpridge Track teilweise deckt. Der Weg nach Port Craig, einer ehemaligen "Timber Town", wo wir im ehemaligen Schulhaus geschlafen haben, war wirklich extrem abwechslungsreich: kleine felsgesaeumte Straende, uriger Regenwald, man hatte alles! Es gibt wirklich nichts besseres, als waehrend der Wanderung, wenn man total durchgeschwitzt ist, kurz ins Meer zu springen! Das einzige Nervige bei sowas ist, dass einen die Sandflies quasi aufgefressen haben, bevor man wieder angezogen ist und sich eine Ladung Bushman (Insektenabwehrmittel, gaaaanz fieses Zeug...)auf Gesicht und Arme geschmiert hat. Fuer alle ohne Sandfly-Erfahrung: Das sind an harmlose Obstfliegen erinnernde Flieglein, die es aber faustdick hinter den Ohren haben. Die Stiche bluten teilweise, krabbeln wie wahnsinnig und gehen auch ewig nicht weg. Muecken im Spreewald sind harmlos dagegen...! Wie oft war ich froh ueber meine dicken Socken, wenn mal wieder an die 30 Sandflies auf einem einzigen Fuss sassen... :)
Aber zurueck zum Southcoast Track: am zweiten Tag ist Doerthe hoch auf das Hump Ridge geklettert, von wo man aus wohl einen genialen Blick ueber Fjordland und das Meer haben soll. Da das eine ziemliche Tour war und meine Knie und Knoechel mal wieder etwas gemuckert haben, bin ich nur zum Percy Burn Viaduct (dem groessten noch stehenden Holzviadukt der Welt) mitgekommen und dann wieder zurueck zu unserem School House. Und da die Welt ja ein Dorf ist, sollte dort fuer diese Nacht noch ein Marburger naechtigen... Ist schon lustig, wenn man sich mal wieder ueber die Neuigkeiten vom Niederweimarer See und Co. austauschen kann :) Am dritten Tag ging es dann wieder zurueck in Richtung Auto, wo wir am Ende noch mal so richtig schoen eingeregnet worden sind. What else do u expect? Aber mit dem Gedanken, dass die heisse Hostel-Dusche nicht mehr weit ist, ertraegt man es doch gleich viel leichter, wenn man nach und nach bis auf die Unterwaesche durchweicht... ;)


Greenstone-Caples Track, Rockburn-Sugarloaf Track

Vom South Coast Track aus ging es erstmal ein ganzes Stueck in Richtung Norden, und zwar nach Queenstown. Ich war zwar vorgewarnt, dass es da vor "Adrealin-Touris" nur so wimmelt, aber der Zivilisationsschock war dann doch recht gross... Die Stadt selber ist wunderschoen gelegen: direkt am Lake Wakatipu und eingerahmt von Bergen, aber nach 2h hatte ich schon mehr als genug und wollte einfach nur noch weg. Deshalb sind wir dann nach Glenorchy gefahren, welches am noerdlichen Endes des selben Sees liegt.

Von hier aus ging es dann am naechsten Tag auf den Greenstone-Caples Track. Und so im Nachhinein kann ich sagen, dass das bisher mein allerliebster Mehrtagestramp war. Im Prinzip fuehrte der Track durch das Caples-Tal, ueber den McKellar Saddle und dann durch das Greenstone-Tal zurueck zum Ausgangspunkt. Zur Abwechslung mal ein Track ohne wirkliche "Hammerabschnitte"; einfach zum Geniessen eben. So ein bisschen hat es von der Landschaft her an Suedtirol errinnert, aber wie auch immer: es war einfach wunderschoen! Hoehepunkt war die letzte Nacht in der Greenstone Hut, von wo aus man einen phantastischen Blick ueber das Greenstone Tal und die Greenstone Schlucht hatte und man nachts mal wieder toll Sterne beobachten konnte. So ganz ohne "Lichtverschmutzung" ist der Sternenhimmel hier einfach ueberwaeltigend!



Weil wir einfach nicht genug vom Trampen kriegen konnten, ging es gleich am naechsten Tag auf den naechsten Tramp: Rockburn-Sugarloaf-Track! Der erse Tag war nicht wirklich lang, so dass wir noch eine ganze Weile faul am Lake Sylvan liegen konnten und uns beim Schmoeckern die Sonne auf den Leib haben scheinen lassen. Der Track selber hatte es allerdings mal wieder in sich: War wohl eher eine Route als ein Track, denn die Marker musste man echt suchen und umgefallene Baeume und Suempfe waren mal wieder reichlich. Und da ich ja auch so ein bisschen das Talent habe, jeden Ast mitzunehmen, den ich finden kann, hab ich mir hier die naechste blutende Wunde geholt. Immerhin nicht ganz so schlimm wie der riesige Bluterguss am linken Oberschenkel vom Greenstone Track, dessen Farbwechsel recht beeindruckend waren. Am besten fand ich die dunkelblaue Variante mit den 3 dicken dunkelvioletten Streifen... ;) Zusammen mit den tausenden Sandly-Stich-Narben und diversen Sonnenbrandraendern macht das meine Stelzen gerade absolut bikinitauglich...

Die Rockburn Hut lag direkt an einem tuerkisen Pool des Rockburn-Flusses mit den Bergen im Hintergrund, einfach traumhaft. Die Huette selber war nicht ganz so der Hit; hat mich eher an einen verfallenen Bunker errinnert... Aber man kann ja nicht immer Glueck mit den Huetten haben. Am naechsten Tag fuehrte der Weg, der nicht viel besser als am Vortag war, Huegel bergauf und bergab zum Sugarloaf-Pass und dann zurueck zum Carpark. Irgendwie war das nicht ganz so mein Tag und als ich dann an einer Stelle, wo der Weg so schlecht war, dass man eine 4m Erdwand hochklettern musste, auch noch ziemlich boese abgerutscht bin, hab ich mich schon gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. Aber naja, habs ueberlebt und die naechsten schoenen Tramps haben schon auf mich gewartet :)

Mit diesen Tramps im Mt. Aspiring Nationalpark sollte die gemeinsame Reisezeit mit Doerthe ihren Abschluss gefunden haben. Von nun an sollte sie mit ihren Eltern reisen und fuer mich hiess es, die verbliebenen knapp 3 Wochen so intensiv wie moeglich alleine reisend zu nutzen. Miss you my hut-buddy :)!

Inzwischen bin ich schon seit einer Woche alleine unterwegs und die letzte Woche war einfach phaenomenal. Aber dazu mehr beim naechsten Eintrag...

Euch alles Liebe,
Julchen

(P.S.: hab meine Zusage fuer mein Zimmer fuers nachste Semester bekommen und hab somit auch schon meine neue Adresse. Hat sich allerdings nur die Zimmernummer geaendert: Juliane Neubert, 19 Ruahine Flats, PB 11222, Palmerston North, NZ)

Samstag, 10. Januar 2009

Queen Charlotte Track, Abel Tasman NP und Kepler Track

Queen Charlotte Track

Mein erstes Ziel auf der Suedinsel war der Queen Charlotte Track. Insgesamt 70km in 4 Tagen inmitten der genialen Landschaft der Malborough Sounds im Nordosten der Suedinsel. Man wurde mit dem Boot zum Beginn des Tracks gefahren (das war an sich schon ein Erlebnis fuer sich!) und hatte dann den Luxus des taeglichen Pack-Transportes von Zeltplatz zu Zeltplatz. Da ich sonst alleine das ganze schwere Zelt haette mitschleppen muessen, war es wirklich angenehm, doch nur mit Daypack zu wandern. Auf dem Boot habe ich dann noch ganz zufaellig Nienke, eine Freundin aus Palmy, und ihre Reisetruppe getroffen - die Welt ist eben doch ein Dorf! Der Weg an sich war einfach nur atemberaubend, da man staendig Ausblick auf die umgebenden Sounds hatte. Gerade am Abend des ersten Tages, als man sich dem Endeavour Inlet genaehert hat und Blick auf den Farbverlauf des Meeres hatte (von rot zu tiefblau, fand ich es einfach klasse. Dummerweise musste ich am naechsten Tag feststellen, dass sich (aus welchen Gruenden auch immer...) die SD-Karte in meiner Kamera in ihre Einzelteile aufgeloest hatte und somit die Bilder von 3 Tagen verloren gegangen sind. Am Abend des zweiten Tages hab ich mehrere Stunden in der Abendsonne auf dem Bootssteg gelegen, dem Wellenrauschen gelauscht und den Wolken beim Ziehen zugeschaut. Das nenn ich mal entspannend :) Der dritte Tag war der atemberaubenste, da man entlang der Ridge gewandert ist und Ausblick sowohl auf den Queen Charlotte Sound, als auch den Pelorus Sound hatte. Am Morgen des vierten Tages sollte es regnen wie verrueckt, aber das sollte mich nicht davon abhalten, in meine Boots zu steigen und mich auf den Weg zu machen. Viele andere Wanderer haben es vorgezogen mit dem Boot wieder zurueck nach Picton gebracht zu werden, so dass ich den Track an diesem Tag ganz fuer mich alleine hatte. Einfach genial, ganz alleine durch den Matsch zu huepfen und die Wolken zu betrachten, die durch die Taeler zogen. Alles in allem waren es 4 wunderschoene Tage mit netten Wanderbekannschaften und tollen Ausblicken.


Bonecarving, Golden Bay und Abel Tasman NP

Von Picton aus ging es dann nach Nelson, wo ich mich mit Julia und Ajit getroffen habe, die erst etwas spaeter auf die Suedinsel uebergesetzt sind. Zusammen haben wir dann einen Bonecarving-Kurs gemacht, was ich mir schon lange vorgenommen hatte. Grundmaterial fuer solche Carvings sind Beef-Oberschenkelknochen-Stuecke, auf die man sein Motiv aufzeichnet und dann mit Laubsaegen und Feilen der Sache Form gibt. Schon erstaunlich, was man da innerhalb kuerzester Zeit machen kann! Hatte mir jedenfalls jede Menge Spass gemacht und ich haette nichts dagegen, sowas nochmal zu machen. Verdammtes Kreativ-Fieber...;)!

Naechstes Ziel war die schoene Golden Bay im Nordwesten der Suedinsel. Auf Empfehlung eines Freundes bin ich zum Whiriaki Beach gefahren, wo man sogar Seals beobachten konnte, die es sich am Strand haben gut gehen lassen. Weihnachten selber sind wir dann ganz spontan in den Abel Tasman NP hineingewandert und haben am Strand von Mutton Cove unser Lager aufgeschlagen. Bei leichtem Nieselregen haben wir unter einem tollen knorrigen Baum Schutz gesucht und unser Weihnachtsessen gekocht (klassisches Trampingdinner: Couscous mit Tuna, aber zur Feier des Tages sogar MIT frischem Gemuese... :) ). Waehrend dieses Abends haben wir sogar einen Regenbogen ueber dem Meer gesehen!


Arthur's Pass und Westcoast


Doerthe hatte die Weihnachtszeit bei ihrer ehemaligen Gastfamilie in Christchurch verbracht und am 28.12. haben wir uns dann im Arthur's Pass NP wiedergetroffen. Dort wollten wir zu viert den Casey-Binser-Saddle-Track machen. Ein eher unaufregender (wo waren denn die ganzen steilen Abschnitte und Rivercrossings...? ;) ), aber trotzdem schoener Tramp bei bestem Sonnenschein. Am zweiten Tag haben wir am Wegesrand den Oberschenkelknochen einer (ehemals) gluecklichen Kiwi-Kuh gefunden. Wenn er denn nicht so schwer gewesen waere, haetten wir den wohl gleich fuer die naechsten Bonecarvings mitgenommen... ;)

Bis Silvester wollte wir in Te Anau sein, so dass wir erstmal zwei entspannte Fahrtage eingelegt haben und entlang der Westcoast, ueber den Haast Pass und durch die einmalige Landschaft um Wanaka und Queenstown in Richtung Sueden gefahren sind. Auf dem Weg haben wir einige Gegenden gesehen, die wir auf jeden Fall spaeter nochmal etwas genauer erkunden wollen...


Fiordland: Kepler Track, Milford Sound, Lake Manapouri

In Te Anau haben wir dann Dave, einen MUAC-Kollegen, getroffen und zu fuenft Silvester verbracht. Da der Verkauf von Raketen an Privatpersonen in NZ untersagt ist war es erstaunlich ruhig, aber so konnte man das oeffentliche Feuerwerk ueber Lake Te Anau umso mehr geniessen. Haben noch ein bisschen zur Liveband im Park getanzt (ab und an brauch man halt doch mal ein bisschen Zivilisation...) und sind dann todmuede zum ersten Mal im neuen Jahr auf unsere Matten gefallen.

Schon im September hatten wir den Kepler Track gebucht und am 2.1. sollte es nach langem Warten endlich soweit sein. Im Fiordland gelegen ist der Track beruehmt-beruechtigt fuer sintflutartige Regenfaelle und das Wetter sollte uns was das angeht nicht enttaeuschen... Bis auf die Haut durchnaesst sind wir am ersten Abend in der Luxmore Hut angekommen und ich hab dann erstmal 2h vor dem Ofen verbracht, um meine Sachen zumindest ein bisschen zu trocknen. Hatte fast was meditatives wie wir da zu sechst um das gute Ding standen und den Raum mit diversen Dueften (Socken haben ein tolles Aroma!) bereicherten... :) Gegend Abend sollte der Regen aber aufgehoert haben und nach und nach konnte man immer mehr von Lake Te Anau und den Murchison Mountains sehen. Einfach absolut unbeschreiblich! Der zweite Tag war der einzige alpine Tag des Tracks. Man ist fast die ganze Zeit auf dem Ridge entlanggewandert und konnte (in gewissen Momenten, wo zauberhafterweise auf einmal die Wolken verschwanden) einen phaenomenalen Blick in die benachbarten Taeler geniessen. Zwischendurch hatten wir auch mal ein bisschen Schneesturm, was schon genial war! Ist nicht eigentlich gerade Sommer in NZ? So bin auch ich zu meinem Januar-Schnee gekommen... :) Die letzten beide Tage war man eigentlich fast die ganze Zeit im beech forest, was mal wieder was anderes war. Aber nach 2 Tagen hatte man da auch genug davon...

Fuer den Tag nach dem Kepler Track hatte ich mir eine Fahrt zum Milford Sound gebucht. Mit dem Bus ging es zum Sound, dort folgte dann eine 2,5h Bootsfahrt und dann ging es wieder zurueck. Es regnete ohne Unterlass (Fiordland, was will man erwarten...) und aus diesem Grund gab es tausendundeinen Wasserfall. Ueberall flossen sie herunter - in einem solchen Ausmass hatte ich das zuvor noch nie gesehen! Vom Fjord selber hatte man deswegen nicht so wirklich viel gesehen, aber allein die Wasserfaelle waren die Fahrt wert. Abends sind Doerthe und ich dann zu einer kleinen Backcountry-Hut gefahren, die einfach toll war: eine kleine 6bunk hut mit offener Feuerstelle und sogar einem Spiegel und Keramiktellern: so einen Luxus kennt man sonst nicht. Und das ganz alleine fuer uns!

Wir wollten von Fiorland noch ein bisschen mehr sehen und haben deshalb noch einen 2-Tagestramp am Lake Manapouri gemacht. Sehr abwechslungsreich, auch wenn uns nachts die Sandflies das Leben zur Hoelle gemacht haben und Doerthe morgens dank eines Stiches am Auge aussah, als haette sie von mir eine Tracht Pruegel bekommen... ;) Ueber Nacht hatte es ziemlich geregnet, so dass der Weg, den man gestern noch mit Hilfe diverser Baumstaemme und Wurzeln halbwegs "unmatschig" ueberstanden hat, sich in einen einzigen See verwandelt hatte. An vollkommen durchnaesste Boots hatte ich mich eigentlich mittlerweile gewoehnt, aber nach der Schlammschlacht hatte ich erstmal genug vom Matsch...

Deswegen hab ich mir jetzt auch erstmal fuer 3 Tage eine Wanderpause genommen und bin nach Dunedin gefahren, waehrend sich Doerthe auf Stewart Island rumtreibt. Auf dem Hinweg hierher war es noch etwas aufregend, weil mein Auto nach und nach immer mehr vibrierte und ich (lebhafte Phantasie sei Dank...) mich schon bei stroemendem Regen gegen den naechsten Baum fahren sah. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber wenn das Auto mitten auf der Kreuzung nicht mehr weiter will, ist das nicht soooo viel angenehmer... Zum Glueck war der AA (=NZ ADAC) nur 50m entfernt, so das Hilfe schnell geholt war. Die Leute vom AA kennen mich mittlerweile auch schon bestens... :)


Euch allen liebe Gruesse,
Julchen

Edit (6h spaeter): hab ich vorhin geschrieben, dass mich die Leute vom AA mittlerweile kennen? Jetzt kennen sie mich noch ein bisschen besser...! Wollte das schoene Abendwetter nutzen und bin zu einem Lookout mit Blick ueber ganz Dunedin gefahren. Kaum angehalten, qualmte es auf einmal aus dem Motorraum. Mit meinem "Kennerblick" (ich lerne mit jedem Problemchen der guten Karre dazu...) kurz reingeschaut und ein Loch in einem Schlauch gesehen. Naja, AA angerufen und die Wartezeit zusammen mit 2 Kiwi-Opas verbracht, die gerade auf Spaziergang waren. Haben gemeinsam ein bisschen auf Subarus geflucht (NIE, NIE, NIE wieder...!) und sie haben mir noch ein paar Geheimtipps fuer die Umgebung verraten. Kann ich auch gut gebrauchen, denn die Werkstatt, vor der die Karre zusammen mit 4 weiteren Leidensgenossen wartet, macht naemlich erst Montag morgen wieder auf... Wie gut, dass ich mir auch diverse Museen nicht schon heute angeschaut habe. Dann hab ich morgen wenigstens was zu tun. Arrgh...! Aber naja, Augen zu und durch. Immerhin ist er diesmal nicht auf ner Kreuzung, sondern an einem schoenen Lookout, bei tollem Wetter UND mit netter Gesellschaft stehen geblieben. Ich steigere mich... :)

Sonntag, 14. Dezember 2008

Auckland, Bay of Islands und Cape Reinga Walkway

Nach ein paar abwechslungsreichen Grossstadttagen in Auckland hiess unser naechstes grosses Ziel Bay of Islands. Schon im so genannten Northland gelegen hatten wir bis dorthin erstmal einen ziemlichen Fahrtag vor uns. Nach einem Lunchstop in Whangarei und einer kleinen Wanderung zu den Whangarei Falls ging es in Richtung Kawakawa, wo Hundertwasser einige Zeit verbracht hat. Aus diesem Grund gab es dort die beruehmten Hundertwasser-Toiletten, die ich mir natuerlich nicht entgehen lassen wollte. Klar, letztendlich waren das auch nur Klos, aber eben nicht nur Long Drops, sondern richtig tolle Toiletten... :) Gleich um die Ecke von Kawakawa war dann auch schon Paihia, wo wir die naechsten zwei Tage verbringen sollten.

Den ersten Tag haben wir recht faul mit einem mini-Stadtbummel, einem gemuetlichem Lunch auf der Hostel-Veranda (in Gesellschaft des zutraulichen miauenden Papageies) und mit einem guten Buch am Strand verbracht. Am naechsten Tag ging es dann Seakajaken – etwas, auf das ich mich schon ewig gefreut hatte. Gleich ganz zeitig sind Julia und ich zum Bootsverleih, haben uns die Boote geholt und sind losgepaddelt. Vorbei an der Stadt, einem kleinen Segelboothafen und vielen kleinen Buchten ging es zu einem einsamen Strand, wo wir im glasklaren Wasser erstmal eine Runde schwimmen gegangen sind. Einfach traumhaft! Irgendwie hab ich mir Neuseeland genau so vorgestellt, bevor ich hierher kam. Auf dem Weg zurueck ist dann maechtig Gegenwind aufgekommen, so dass wir uns maechtig ins Zeug legen mussten, um ueberhaupt irgendwie vorwaerts zu kommen. Gegen Ende kamen die (bedrohlich starken Wellen) auch noch von der Seite, so dass wir recht froh waren, am Ende nicht noch ein unfreiwilliges Bad nehmen zu muessen. Auf jeden Fall hat die Tour wieder Lust auf mehr gemacht und es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich hier auf dem Wasser meine Runden drehe. Am Bootsverleih wartete dann schon Ajit, der Julia mit einem Kurzbesuch ueberraschen wollte, was auch gelungen ist. Die beiden haben dann die naechsten beiden Tage allein verbracht, waehrend Doerthe und ich mit vielen Abstechern zu diversen Straenden langsam Richtung Norden gefahren sind, wo wir uns dann alle auf einem Zeltplatz wieder getroffen haben.

Zuvor hatte man uns schon vor den aggressiven Muecken in Northland gewarnt, aber so krass wie es letztendlich war, hatten wir es nun wirklich nicht werwartet. Sobald die Daemmerung aufkam, schwirrten sie einem um den gesamten Koerper und auch das Auto haben sie in Nullkommanix voll in Beschlag genommen. Unser Zeltrevier konnten wir zum Glueck ganz gut verteidigen, aber ohne Ohropax waere man von dem Gebrumme der 200 Muecken zwischen Innen- und Aussenzelt wohl wahnsinnig geworden.. Die Muecken im Spreewald sind Kinderkram dagegen... In den naechsten Tagen sollten wir noch die absolten Lieblingsopfer bleiben, so dass ich letztendlich am ganzen Koerper komplett zerstochen worden bin. Dank paddelbedingtem Sonnenbrand auf den Oberschenkeln (mit attraktiver Radlerhose-Kante...) und den 1001 Stichen muss ich zur Zeit wohl einen ziemlich komischen Anblick abgeben...

Ihr merkt schon, die Muecken haben dort einen ziemlichen Eindruck hinterlassen. Aber trotzdem haben wir den dreitaegigen Cape Reinga Coastal Walkway richtig geniessen koennen. Die meisten Touris fahren einfach nur zum Leuchtturm in Cape Reinga und wieder zurueck, so dass wir auf der Wanderung nahezu komplett alleine unterwegs waren. Gepraegt war diese Tour von langen Strecken Strandwanderung, was mitunter ziemlich anstrengend werden kann. Man merkt dann Muskeln, von denen man vorher noch gar nichts gemerkt hat... In der ersten Nacht haben wir unser Zelt mit Blick auf das Cape Maria van Diemen aufgestellt, welches der eigentlich noerdlichste Punkt Neuseelands ist, auch wenn die meisten glauben, dass Cape Reinga diesen Status besitzt. Am zweiten Tag ging es dann ueber den Te Werahi Beach und Cape Reinga zur Tapotupotu Bay. Dank mehrfachen Umwegen wegen schlechter Beschilderung waren mehr als fertig, als wir vom Ridge die Bucht erblickten. Doch der Blick darauf entschädigte für alle Strapazen. Einfach traumhaft mit den feuerrot blühenden Pohutukawa Trees drum herum… Am letzten Tag sind wir glücklicherweise um lange Strecken am Strand herumgekommen und da die Sonne zum Glück nicht ganz so krass auf den Kopf knallte, hat man die lange 8h-Etappe ganz gut ausgehalten.

Damit war unsere Reise auf der Nordinsel quasi zu Ende und wir sind gemuetlich innerhalb von 2 Tagen wieder zurück nach Palmy gefahren. Ich habe es richtig genossen mal wieder zu Hause zu sein und nicht jeden Tag das Nachtlager wechseln u muessen. Man hatte auch endlich mal wieder ein bisschen Zeit ein paar organisatorische Sachen zu erledigen und Leute wieder zu treffe. Was das angeht ist Palmy wirklich ein Dorf. Ständig hat man Freunde in der Stadt getroffen, die auch gerade hier auf Durchgangsstation sind bzw. hier noch Praktikum machen oder arbeiten muessen. Gestern abend haben wir uns deshalb nochmal alle im Celtic’s getroffen, wo eine Liveband gespielt hat und am Ende alle in der kleinen Gasse draussen getanzt haben. Das hat gefetzt! Heute gab‘s dann noch bei Alexandra, in deren Garten ich gerade beim Zelt aufgeschlagen habe, eine BBQ-„MeatMas“ Party (in Anlehnung an ChristMas), vor der wir vorher nochmal eine Runde im Pool schwimmen waren. Trotz Weihnachtsdeko in der ganzen Stadt kommt es mir im Moment nicht so vor, als ob in 10 Tagen Weihnachten ist…

Morgen geht’s dann weiter nach Wellington, von wo ich dann am Dienstag mit der Fähre auf die Südinsel fahre. Dort mache ich dann ersteinmal den Queen Charlotte Track in den Marlborough Sounds, bevor ich mich mit Julia und Ajit wiedertreffe und wir dann (wahrscheinlich irgendwo in der Naehe von Abel Tasman NP) zusammen Weihnachten verbringen.

Ich wünsch euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Bis bald,
Jule

Freitag, 28. November 2008

Tongariro Northern Circuit, Bay of Plenty & Coromandel

Vor fast schon 2 Wochen ging es also los zum Tongariro Nationalpark. Dort trafen wir uns mit Barbara und ihrem Freund und wollten eigentlich den 4-Tages Northern Circuit rund um Mt. Ngauruhoe machen. Der Hoehepunkt dieser Wanderung durch das Vulkangebiet ist das beruehmte Tongariro Crossing, wo man einen tollen Blick auf die leuchtend blauen Emerals Lakes hat. Das war eigentlich fuer den zweiten Tag geplant, da aber die Wettervorhersagen da alles andere als gut waren, haben wir das Crossing gleich noch am ersten Nachmittag gemacht. Dank 4 Wochen Faulsein waehrend der Pruefungszeit und akutem Schlafmangel von der Pack-und-Abschied-Nacht vorher kam ich die Haenge voll Vulkangestein nur schleppend rauf, aber die Ausblicke waren trotzdem fabelhaft! Am zweiten Tag ging es dann von der Ketetahi Hut zur Waihohonu Hut. Es regnte wie aus Eimern und bei den Sturmboeen von bis zu 90kmh hatte man manchmal Schwierigkeiten stehen zu bleiben. Auch hier wieder eine einmalige Landschaft, ein bisschen wuestenartig kann man sie fast nennen. Wer "Herr der Ringe" gesehen hat: Das war der Drehort fuer Modor. Am dritten und letzten Tag wanderten wir dann durch die Ebene zwischen den schneebedeckten Bergen Mt. Tongariro und Mt.Ruapehu. Die Weite der Landschaft hat mich wirklich beeindruckt. Vielleicht kann ich bei Gelegenheit mal ein Foto davon hochladen.

Am naechsten Tag hiess es Abschied nehmen von Ajit, Barbara und Lukas, die gen Palmy bzw. Suedinsel weiter fuhren. Fuer uns ging es nach Whakatane in der Bay of Plenty. Die naechsten Tage sollten wir mit Wanderungen und faulen Nachmittagen an den Straenden der Bay of Plenty verbringen. Obwohl wir ja nach den Pruefungen ja noch eine Weile Pause in Palmy hatten, waren wir doch noch ziemlich fertig und brauchten einfach etwas Entspannung. Da viele Leute vom Hot Water Beach geschwaermt haben, sind wir dann auch dahin. Dort konnte man sich bei Ebbe ein Loch in den Strand buddeln, welches sich dann mit heissem Wasser gefuellt hat. Da wir etwas spaet dran waren hatten wir selber kein Budelglueck mehr, konnten aber auf die "Gastfreundschaft" anderer Touris zaehlen. Unser Touri-Tag ging dann weiter mit einem Ausflug zum Cathedral Cove. Eigentlich ganz schoen - uns waren da aber mit Abstand viel zu viele Leute. Deswegen haben wir uns schon drauf gefreut ganz in den einsamen Norden der Coromandel Peninsula zu fahren. Nach einer Stunde auf der Schotterstrasse weigerte sich mein Auto allerdings von einem Moment auf den anderen weiterzufahren. Es gab absolut keinen Ton mehr von sich, so dass uns nichts anderes uebrig blieb als den AA (= NZ ADAC) anzurufen. Gluecklicherweise kam dann auch einer, der uns dann die ganzen 2 Stunden Weg bis CoromandelTown abgeschleppt hat. Eigentlich war das eine ganz lustige Fahrt, bei der die ganzen Lieder unserer Kindheit nochmal aus der hintersten Ecke des Gedaechtnisses gekramt wurden und lauthals zum besten gegeben wurden. Der Abschleppfahrer muss sich auch seinen Teil gedacht haben... Als wir dann am naechsten Morgen zur Werstatt sind und sie meinten, sie waeren schon 2 Wochen im Voraus ausgebucht haben wir schon schwarz gesehen. Allerdings hatte einer der Mechaniker wohl etwas Mitleid mit uns drei Maedels und so konnten wir (nach Austausch eines ominoeserhafter Weise durchgebrannten Kabels) nittags doch noch zum Coromandel Coastal Walkway starten.

Dieser Track fuehrt direkt an der Kueste von der Fletcher Bay zur Stony Bay. Wunderbar einsamer Track mit phantastischen Ausblicken. Nach einer regnerischen und stuermischen Nacht ging es dann am naechsten Tag den gleichen Weg bei schoenstem Sonnenschein zurueck. Vorgestern und gestern waren wir dann auf dem Kauaeranga-Kauri Trail unterwegs. In diesem Gebiet wurden frueher die gesamten Kauri-Baeume gerodet, jetzt allerdings sieht man davon dank Neuanpflanzungen kaum noch etwas. Hoehepunkt des ganzen war dann noch der Sidetrip zu den Pinnacles, die den hoechsten Punkt dieser Gegend bilden. Waeren die allgegenwaertigen Farne nicht gewesen, haette man fast denken koennen, man waere in der Saechsischen Schweiz...

Jetzt bin ich mit Julia erstmal bis Sonntag in Auckland, bevor dann die zur Zeit auf Rangitoto Island verweilende Doerthe wieder zu uns stoesst und es weiter in Richtung Bay of Islands und Northland geht.

Samstag, 15. November 2008

Es geht los - 3 Monate Abenteuer Neuseeland

Morgen frueh ist es endlich so weit: die grosse Reise beginnt und ich werde 3 Monate Neuseeland erkunden!

Die vergangenen 4 Monate vergingen wirklich wie im Flug und trotz der riesigen Vorfreude auf die Reisezeit bin ich doch ein bisschen wehmuetig, da viele meiner Leute im naechsten Semester nicht mehr hier sein werden. Es war eine wunderbare Zeit mit vielen tollen Tracks und Trips und schoenen Tagen hier in Palmy. Vieles, was am Anfang noch neu und ungewohnt war, ist inzwischen vollkommen normal: man schaltet nicht jedes mal den Scheibenwischer ein, nur weil man abbiegen will, an die vielen Spatzen in der Bibliothek hat man sich auch gewoehnt und man denkt nicht mehr an eine dumme Anmache, wenn einer zu einem „sweet as“ sagt.


Nachdem ich am vergangenen Dienstag mit meiner letzten Pruefung fertig war, hatte ich noch ein paar schoene Tage mit strahlendem Sonnenschein und 26°C, die man nochmal so richtig geniessen konnte. Die letzten Sachen fuer die Reise wollten noch besorgt werden und nach und nach musste man auch von allen moeglichen Leuten Abschied nehmen. Am Donnerstag hatten wir dann noch eine kleine BBQ-Party in Atawhai, wo ich mich zum ersten Mal auch beim Slacklining probiert habe. Im Prinzip hat man da einfach nur eine Art Gurt, der zwischen zwei Baeume gespannt ist und auf dem man lang laeuft. Wenn man da unsere Maenner sieht, die da einfach mit Anlauf draufspringen und dann ohne mit der Wimper zu zucken alle moeglichen Kunststueckchen machen, denkt man, dass das ja gar nicht mal so schwer sein kann. Aber naja, Uebung macht ja bekanntlich den Meister. Ich jedenfalls war schon maechtig stolz, als ich am Ende des Abends 3 Schritte machen konnte, ohne runter zu fallen. Macht auf jeden Fall einen Hoellenspass und ich freu mich schon jetzt drauf, wenn ich mal wieder die Gelegenheit zum Slacklinen bekomme.



Bis ungefaehr Mitte Dezember werde ich jetzt erst einmal mit Julia und Doerthe die Nordinsel unsicher machen. Unter anderem stehen der Tongariro Northern Circuit, Coromandel, Bay of Islands und Northland auf dem Plan. Danach geht es dann fuer die restliche Zeit auf die Suedinsel, wobei ich da ausser dem Kepler Track Anfang Januar noch nichts gross geplant habe. Freu mich auf jeden Fall schon riesig auf die vielen tollen Wanderungen, die schoenen Straende und neue nette Leute.


Da ich ja jetzt kein Zimmer mehr habe, bekomm ich eigentlich auch keine Briefe mehr. Falls es aber ganz dringend sein sollte (Geburtstagskarten o.ae.... ;) ), koennt ihr Post ans Institut schicken, da hab ich auch ein Postfach:


Juliane Neubert, Institute of Molecular Biosciences, Massey University, Riddet Rd, PB 11222, Palmerston North, New Zealand


Am besten ist es aber immer noch per Mail oder eben uebers Handy (+642102968690).


Euch allen zu Hause wuensche ich eine schoene Adventszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Esst ein Stueck Rosinenstollen fuer mich mit :)


Liebe Gruesse,

Jule




Dienstag, 21. Oktober 2008

I've seen the mountain

Nach langem Warten und langer Planung haben wir ihn am vergangenen Wochenende endlich in Angriff genommen – den Pouakai Circuit im Egmont Nationalpark. In der Midsemesterbreak stand er ja eigentlich auch schon mal auf dem Plan, allerdings mussten wir damals wegen Eis einen anderen Track zur Pouakai Hut nehmen. Das war auch eine schöne Tour, aber vom Taranaki, auf den man von der Pouakai Range angeblich einen genialen Blick haben sollte, haben wir nichts gesehen. Nun also Versuch Nummer 2:

Da es bis zum Egmont NP doch ein bisschen weit ist, ging es schon Freitag nachmittag (nach dem letzten Seminar für dieses Semester) los in Richtung Norden. So konnten wir uns noch mit einem kleinen Strandspaziergang am Beach in Patea auf unserer langes Wochenende einstimmen.


Der Circuit selber beginnt in North Egmont, führt steil hinauf zum Tahurangi Peak und verläuft dann auf halber Höhe des Mt. Taranaki entlang bis er wieder hinunter geht zur Holly Hut, wo wir ne kleine Lunchbreak gemacht haben. Während der erste Teil des Tages schön sonnig war, hatte es dann angefangen aus allen Wolken zu schütten, so dass wir auf dem Weg über den Ahukawakawa Sumpf zur Pouakai Hut nicht wirklich viel von der Umgebung sahen. Aber zum Glück war eine Truppe aus Tschechien schon etwas eher in der Hütte und hatte ein schönes Feuer gemacht, so dass wir nach unserer Ankunft in der Hütte gar nicht erst mit Frieren anfangen konnten. Den ganzen Abend und bis zum Einschlafen wollte es nicht wirklich aufhören mit Regnen und so langsam haben wir dann wirklich Angst bekommen, dass „I've seen the mountain“ doch nur ein Witz bleiben sollte.

Doch allen Befürchtungen zum Trotz sollten wir am nächsten Morgen beim Sonnenaufgang besten Blick auf „the mountain“ aka Mt. Taranaki haben. Bei Traumwetter ging es dann also in Richtung Henry Peak – links mit Blick aufs Meer und rechts mit Blick auf den Berg. Schöner kann eine Tour wirklich nicht sein! Vom Henry Peak führte dann der Weg langsam aber sicher nach unten – und die vier Stunden stetig bergab machten sich am Montag schmerzhaft bemerkbar – jeder Schritt eine Treppe runter tat weh wie Hölle. Aber diese phantastische Wanderung macht auf jeden Fall jegliche Schmerzen wett... Am zweiten Tag gab es auch jede Menge Flussquerungen, die wir zum Glück alle ohne nasse Füsse machen konntenüberstanden haben. Ganz im Gegensatz zu vor zwei Wochen, als ich mit Julia in den Ruahines unterwegs war und ein Bächlein über Nacht so stark angeschwollen ist, dass uns nichts anderes übrig blieb, als mitten durchs fast knietiefe Wasser zu laufen. Aber inzwischen hat man sich dran gewöhnt, dass es in NZ eher die Ausnahme ist, mit trockenen Füßen ans Ziel zu kommen... :)

Hier in Palmerston ist gerade Study Break und nächste Woche fangen die Exams an. Die erste Prüfung steht bei mir aber schon diesen Donnerstag auf dem Plan; mal schauen wie ich mich da beim Interpretative Exam anstelle. Nebenbei muss ich aber auch noch meine Hausarbeit endlich mal zum Ende bringen. Dann hab ich noch Exams in Genetic Analysis am 1.11. und in MolCellBiology am 11.11. und am 15. 11. muss ich auch schon aus meinem Zimmer ausgezogen sein. Das ist hier sowieso ganz komisch – über den Sommer werden alle Wohnheime bis auf eins geschlossen. Aber mir soll das egal sein, denn in den drei Sommermonaten werden mein Auto, das Zelt und die Hütten Neuseelands mein Zuhause sein.

Der Sommer-Ferien-Countdown läuft also...!


Liebe Grüße an euch alle,
Julchen